Nicotina

Jedes Ensembledrama braucht eine Katastrophe, die es zusammenhält: Sei es das Erdbeben in Altmans „Short Cuts“ oder, derzeit sehr beliebt, der Autounfall, der alle Beteiligten am Unfallort vereint, wie in Spielmanns „Antares“, aktuell in „L.A. Crash“, oder in den beiden Filmen des Mexikaners Alejandro Gonzáles Inárritu „Amores Perros“ und „21 Grams“.

Um gleich in Mexiko zu bleiben: In „Nicotina“, einem Ensemblefilm von Hugo Rodriguez, ist die alle verbindende Katastrophe nun weniger punktuell als ständige Gewohnheit: Wie der Titel sagt, im Zentrum steht das Rauchen. Immer wieder wird in diesem mit farbigen Split-Screens und shmoovem Trip-Hop für das Entstehungsjahr 2003 fit gemachten Caper-Movie, in dem ein paar Gangster einen McGuffin in Kofferform jagen, demonstrativ getschickt, inhalierend geflirtet und in Tarantino’esken Dialogen drohender Lungenkrebs aufs, na ja, Frechste verharmlost.

„Nicotina“, nach wirklich herausragenden Arbeiten wie dem erwähnten „Amores Perros“ (2000), nach „La Ciénaga“ (2001) oder „Japón“ (2002) auf den rollenden Zug des Lateinamerikanischen Filmwunders aufgesprungen, verhält sich zu diesem wie Pepe Danquarts „C(r)ook“ zum so genannten österreichischen Filmwunder, von dem nach „Nordrand“ oder „Lovely Rita“ die Rede war: Ein aufgemotztes Konfektionsprodukt, das Lokalkolorit mit internationaler Zeitgeistästhetik kombiniert, und ansonsten ein paar Typen, die mit einer Buffn wedeln, mit einem Plot verwechselt.

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