Die Romanserie um die ??? (sprich: Drei Fragezeichen), drei Juniordetektive aus dem kalifornischen Rocky Beach, gehört zum Feinsten, was die Jugendkriminalliteratur zu bieten hat. Vor allem die ersten zwanzig Bände (von mittlerweile 128) sind mit Witz und Schläue erdacht und geben Seite um Seite immer nur genau so viel Information heraus, dass den halbwüchsigen Lesern das Mitraten Spaß macht. Und das Wichtigste: die Romane, wie auch die Hörspielserie, die seit den achtziger Jahren vor allem in Deutschland Kult ist, nehmen ihr Publikum ernst. Justus Jonas, das pummlige Mastermind der ???, ist ein kleiner Sherlock, der seine Fälle durch Nachdenken löst. Für die Action zuständig ist sein Kollege Peter Shaw, während der ruhige Bob Andrews Recherchen und Archiv betreut.
Zu den gelungensten Bänden gehört Folge 11, Die drei ??? und das Gespensterschloss (1980). In diesem Roman spielt sogar Alfred Hitchcock, der der ursprünglich in den USA erschienenen Serie sein Gesicht als Logo lieh, eine Rolle: Der Regisseur beauftragt die drei Detektive, ein Geisterschloss als Film-Location zu suchen. Doch im Haus, das sie auftun, scheint es tatsächlich zu spuken.
Die von der deutschen Walt Disney vertriebene Filmversion „Die drei ??? – Das verfluchte Schloss“ hat mit der unheimlichen Spannung des Romans wenig zu tun. Wohl auch deshalb der leicht veränderte Titel. Unter der Regie des Deutschen Florian Baxmeyer werden die drei, von US-Kinderstars verkörperten Jungs zu Witzfiguren, die mit weit aufgerissenen Augen durch eine Spukkulisse stolpern. Als Stand-In für Kalifornien dient – warum auch immer – Südafrika. Und das Geisterschloss ist von oben bis unten vollgestopft mit Harry-Potter-eskem, magischem Plunder.
Im Originalroman geht im Schloss übrigens ein verarmter Horrordarsteller aus Hollywoods Stummfilmära um. Mit allerlei Spukeffekten versucht er sein Heim vor dem Verkauf zu bewahren. Der Themenpark als letztes Refugium des Genrekinos. Das ist doch unheimlich schön.
(Erschienen in Falter 10/09)