Die Camorra geht ins Kino

Nach „Matrix“ trugen Camorristi lange Ledermäntel, nach „Pulp Fiction“ hielten sie den Lauf der Waffen schräg oder schossen gleich mit zwei Puffn. Und seit Tarantinos „Kill Bill“ schmücken sich einige mit Leibwächterinnen in engen, knallgelben Overalls. Das Kino macht den Stil der Camorra:

Der Pate I, II, III (Francis Ford Coppola 1972, 1974, 1990)

Weil man ihm in der Gefängniszelle keinen Videorekorder erlaubte, befahl Boss Augusto La Torre dem Direktor des Lokalen Fernsehsenders, die von ihm heiß geliebte „Paten“-Trilogie immer wieder im Abendprogramm zu spielen.

Scarface (Brian de Palma, 1983)

Zum Dreh von Howard Hawks Mafiafilm „Scarface“ erschien 1932 Al Capone höchstpersönich am Set. Camorra-Boss Francesco Schiavone ließ sich Tony Montanas Villa aus Brian de Palmas Verfilmung 1:1 nachbauen. (siehe Interview)

Il Camorrista (Giuseppe Tornatore, 1986)

Der Soundtrack des Films wurde zur Erkennungsmelodie der Camorra; man pfeift sie, wenn ein Capozona vorübergeht, oder um einem Ladenbesitzer Angst einzujagen. In den Diskos tanzt man zu verschiedenen Dance-Versionen, alle gemixt mit Sätzen des Bosses Raffaele Cutolo, im Film gespielt von Ben Gazzara.

Nikita (Luc Besson, 1990)

Eine der wenigen weiblichen Bosse im Business, Vincenza Di Domenico aus Neapels Quartierei Spagnoli, trug stolz den Spitznamen von Bessons Killerheldin Nikita.

Quelle: Roberto Saviano: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra. München 2006

(Erschienen in Falter 36/08)

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