Nach Sandra den Hamers Wechsel zum Filmmuseum Amsterdam findet das 37. Internationale Filmfestival Rotterdam unter interimistischer Leitung von Museumsdirektor Rutger Wolfson statt. Seine Programme operieren bevorzugt an der Schnittstelle von Film, Performance und Kunst.
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Lang hatte man nach einem Nachfolger für Direktorin Sandra den Hamer gesucht, die im April 2007 ihren Wechsel an das neu errichtete Amsterdamer Filmmuseum bekannt gab. Doch kolportierte Wunschkandidaten sagten ab. Und so wird das 37. Internationale Filmfestival Rotterdam (IFFR) vom 23. Januar bis 3. Februar unter der auf ein Jahr beschränkten Leitung von Rutger Wolfson (37) stattfinden. Wolfson, bisher im Vorstand des IFFR, wird zugleich weiterhin seinem angestammten Job nachgehen und das De Vleeshal Museum für Zeitgenössische Kunst leiten. Die Vorlieben des Kurzzeitdirektors sind dem Festival am deutlichsten in der neuen „Free Radicals“-Reihe eingeschrieben: Deren Fokus liegt, so Wolfson, auf „Filmemachern und Künstlern, die voller Energie ihren eigenen Weg gehen.“ Zudem fördert der neue Direktor unorthodoxe Kinoformate: Webvideos, VJ-Live-Auftritte oder Expanded-Cinema-Vorführungen . Wolfson ist auch Initiator der heurigen Tributes an die Avantgardefilmer Cameron Jamie und Robert Breer.
50 Welt-, 30 internationale und 24 europäische Premieren wird das IFFR auf 27 Leinwänden präsentieren. Eröffnet wird das Festival mit dem argentinischen Tiger-Wettbewerbs-Beitrag „Cordero de Dios“ („Lamb of God“). Neben dem traditionellen Ansturm des heimischen Publikums erwartet man an den zwölf Festivaltagen 3.000 Film-, Branchen- und Pressegäste. Im Zentrum des Festivals steht wieder die VPRO Tiger Competition, in der fünfzehn internationale Erst- und Zweitlingsfilme um drei gleichwertige Preise á 15.000 Euro konkurrieren. Darunter das chilenische Drama „E Cielo, la tierra, y la lluvia“ / „The Sky, the Earth and the Rain“ (deutsche Koproduktion: Peter Rommel Productions).
Die nicht-kompetetive Sektion „Sturm & Drang“ widmet sich ebenfalls aufstrebenden Talenten, wie dem HFF-München-Absolventen Niels Laupert, dessen Debütspielfilm „Sieben Tage Sonntag“ hier Internationale Premiere feiert. Die Berlinerin Angela Schanelec („Marseille“) gilt dagegen schon als Maestro – ihr „Nachmittag“ läuft in der Reihe „Kings & Aces“. Und bei „Tides & Tides“, der Sektion für politisch und sozial engagiertes Kino, ist Nicolette Krebitz’ Regiedebüt „Das Herz ist ein Dunkler Wald“ ebenso zu sehen wie die kasachisch-deutsche Koproduktion „Welche Richtung geht’s nach Hause?“ (Regie: Anna Hoffmann). Hoffmanns Dokumentarfilm ist auch einer von insgesamt 22 Festivaltiteln, die mit Unterstützung des – nach dem IFFR-Gründer benannten – Hubert Bals Fund produziert wurden. „In Focus“-Retrospektiven widmen sich heuer neben Jamie und Breer der russischen Filmemacherin Svetlana Proskurina und dem japanischen Arthaus-Regisseur und Produzenten Kobayashi Masahiro.
Vom 27. bis 31. Januar wird auch wieder der CineMart abgehalten, einer der größten Koproduktionsmärkte Europas. 39 Projekte (2007: 48) werben heuer um mögliche Partner, darunter bekannte Regie-Namen wie Christi Puiu, Jafar Panahi (heuer auch Mitglied der Tiger-Jury), Abbas Kiarostami oder die Berliner Vorjahres-Tiger-Gewinnerin Pia Marais („Die Unerzogenen“) mit ihrem neuen Projekt „Im Alter von Ellen“ (Pandora Film).
Das komplette Programm findet sich ab 17. Januar unter www.filmfestivalrotterdam.com .
(Erschienen in Blickpunkt: Film)
