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	<title>maya mckechneay</title>
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		<title>Das Monster in uns</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 16:56:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er inspirierte Generationen Horrorregisseuren: Das Filmmuseum zeigt die Noir-Meisterwerke des Produzenten-Auteurs Val Lewton.

Eine junge Frau sucht ihre Schwester. Mit einem Privatdetektiv folgt sie den letzten Spuren der Vermissten. In einer kleinen New Yorker Pension erfÃ¤hrt sie, dass diese ein Zimmer gemietet hat. Erwartungsvoll bricht sie die TÃ¼r auf und findet: einen leeren Raum, einen Stuhl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er inspirierte Generationen Horrorregisseuren: Das Filmmuseum zeigt die Noir-Meisterwerke des Produzenten-Auteurs Val Lewton.<br />
<span id="more-452"></span></p>
<p>Eine junge Frau sucht ihre Schwester. Mit einem Privatdetektiv folgt sie den letzten Spuren der Vermissten. In einer kleinen New Yorker Pension erfÃ¤hrt sie, dass diese ein Zimmer gemietet hat. Erwartungsvoll bricht sie die TÃ¼r auf und findet: einen leeren Raum, einen Stuhl und von der Decke hÃ¤ngend, einen zur Schlinge gebundenen Strick.<br />
â€žThe Seventh Victimâ€œ ist das MeisterstÃ¼ck des Produzenten Val Lewton. 1943 gedreht unter Regie von Mark Robson drÃ¼ckt dieser Film den Nihilismus am deutlichsten aus, der in allen neun RKO-Produktionen Lewtons durchklingt: Jeder ist allein auf der Welt. Freundschaft, Liebe, eine Ehe kÃ¶nnen die NÃ¤he zu anderen nur simulieren. Der einzige, der uns mit offenen Armen empfÃ¤ngt, ist der Tod.</p>
<p>Val Lewton, geboren als Vladimir Ivan Leventon im ukrainischen Yalta, Ã¼bersiedelte schon als Kind in die USA. Als junger Mann verdiente er sein Brot als Journalist und Verfasser zahlreicher Groschenromane. Durch Vermittlung seiner Mutter, ebenfalls einer Autorin, heuerte er in den dreiÃŸiger Jahren in der MGM-Script-Abteilung an und arbeitete unter Produzenten-Mogul David O. Selznick an GroÃŸproduktionen wie â€žGone with the Windâ€œ mit (deren Bombast er verachtete).</p>
<p>Als sich 1942 die Gelegenheit bot, verlieÃŸ Lewton den dominanten Selznick und wechselte als â€žhead of horrorâ€œ zur maroden RKO. Nach dem finanziellen Misserfolg von Orson Wellesâ€™ â€žThe Magnificent Ambersonsâ€œ wollte man bei RKO mit einer Reihe reiÃŸerischer Horrorstoffe schnelles Geld machen. Die RKO verlangte nach Tiermenschen, wie dem damals populÃ¤ren, in der 1941er Universal-Produktion von Lon Chaney verkÃ¶rperten â€žWolf Manâ€œ. Die Bosse wollten Zombies, Geister und dazu eine Prise Erotik. Sie diktierten Lewton Filmtitel, aus denen er mit seinen Autoren, einem minimalem Produktionsbudget und einer Drehzeit von zwei bis drei Wochen Horrorhits basteln sollte: â€žCat Peopleâ€œ (1942), â€žThe Leopard Manâ€œ (1943), â€žThe Seventh Victimâ€œ (1943), â€žI walked with a Zombieâ€œ (1943), â€žThe Ghost Shipâ€œ (1943), â€žThe Curse of the Cat Peopleâ€œ (1944), â€žIsle of the Deadâ€œ (1945), â€žThe Body Snatcherâ€œ (1945) und zuletzt â€žBedlamâ€œ (1946).</p>
<p>Um im vorgegebenen Tempo arbeiten zu kÃ¶nnen, versammelte Lewton eine â€žArbeits-Familieâ€œ â€“ Leute, denen er vertraute. Die Regisseure Jacques Tourneur und Robert Wise, damals beide noch No-Names, und den Cutter Mark Robson, den Lewton in seinen letzten drei Produktionen zum Regisseur befÃ¶rderte. Den Autor DeWitt Bodeen. Den Kameramann Nicholas Musuraca, dessen High-Contrast-Fotografie die Farbe Schwarz zum wichtigsten Ausstattungselement von Lewtons Filmen machte. Und den Komponisten Roy Webb, der unheimliche Szenen gegen die damalige Konvention mit Wiegenliedern oder karibischen Rhythmen unterlegte. Getragen wurde dieses Team von Lewtons kreativer Vision. Jedem Drehbuch gab der â€žAuteur-Produzentâ€œ selbst noch einmal den letzten Schliff. Er wÃ¤hlte die Darsteller aus und beschrieb im Drehbuch die Sets bis ins kleinste Detail. Beim Dreh selbst war er dafÃ¼r kaum zu sehen.</p>
<p>TatsÃ¤chlich handeln alle Lewton-Filme im weitesten Sinn von Monstern. Doch â€“ im Unterschied zur Konkurrenz bei Universal â€“ ist keines von ihnen je zu sehen. Statt mit den Mini-Budgets von rund 150.000 Dollar pro Film Masken zu basteln, belieÃŸ es Lewton in der Andeutung. Am bekanntesten ist wohl die Katzenfrau Irena aus â€žCat Peopleâ€œ â€“ kaum mehr als ein Schatten ist von ihrem nÃ¤chtlichen Alter Ego im Bild, stattdessen zieht sich das Motiv der Katze in Andeutungen durch Dialoge und Ausstattung, sodass es in den Horror-Szenen des Films genÃ¼gt, der angestachelten Fantasie des Publikums mit Knurren und Fauchen aus dem Off auf die SprÃ¼nge zu helfen.<br />
Wie viele Filme Lewtons transportiert auch â€žCat Peopleâ€œ einen erotischen Subtext: Erst die Erregung macht die sanfte Irena zum Raubtier â€“ im Grunde geht es um das Tabu des (weiblichen) Orgasmus. Claire Denis setzt dieses Motiv in â€žTrouble Every Dayâ€œ (2001) Ã¼brigens doch noch ins Bild, wenn sie BÃ©atrice Dalle als blutÃ¼berstrÃ¶mte Lustkillerin inszeniert.<br />
Denis ist nur eine von vielen Regisseuren, die offensichtlich von Lewton inspieriert wurden. William Friedkin, George Romero oder â€žPans Labyrinthâ€œ-Regisseur Guillermo del Toro gehÃ¶ren zu seinen erklÃ¤rten Fans. Lewton habe als einer der ersten verstanden, dass Horrorfilme wie dunkle Spiegel fÃ¼r die Seele funktionieren, hat del Toro einmal bemerkt. Lewton weiÃŸ, dass das bedrohlichste Monster immer das Monster in uns selbst ist. FÃ¼hlt sich der Mensch in die Enge getrieben, durch die Pest wie in â€žIsle of the Deadâ€œ oder eine Schuld der Vergangenheit wie in â€žThe Body Snatcherâ€œ tritt dieses Monster aus dem Schatten. AutoritÃ¤t und Machtgier heiÃŸen die metaphysischen Bestien in â€žGhost Shipâ€œ (in dem sich wider die Versprechungen des Titels nichts ÃœbernatÃ¼rliches ereignet) und â€žBedlamâ€œ, in dem Boris Karloff als sadistischer Irrenhaus-WÃ¤rter zu Hochform auflÃ¤uft.</p>
<p>Der Universal-Horror-Star Karloff (â€žFrankensteinâ€œ), der Lewton von den Studio-Bossen zunÃ¤chst gegen seinen Willen aufgedrÃ¤ngt wurde â€“ erwies sich bald als verwandte Seele. Karloff hatte selbst genug von seinen Auftritten in den billigen Monster-Mash-Up-Produktionen der Universal. In der Rolle des durchtriebenen Kutschers John Gray in â€žThe Body Snatcherâ€œ hinderte ihn endlich keine Latex-Maske, sein Talent als Charakterdarsteller zu beweisen.</p>
<p><em>(Erschienen in Falter /09)</em></p>
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		<title>Stauffenberg im medialen Spiegelkabinett</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 20:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_buchbesprechung]]></category>
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		<description><![CDATA[In &#8220;Geschichtsästhetik und Affektpolitik&#8221; beleuchtet der Wiener Filmwissenschaftler Drehli Robnik die mediale Karriere der Symbolfigur Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Das Bemerkenswerte an &#8220;Valkyrie&#8221; war, dass nach all dem medialen Bahö, das vor allem in Deutschland um Hollywoods Neuverfilmung des Stauffenberg-Attentats veranstaltet wurde, tatsächlich so wenig bemerkenswert war, an Brian Singers Film.
Die Inszenierung zeigt sich ökonomisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In &#8220;Geschichtsästhetik und Affektpolitik&#8221; beleuchtet der Wiener Filmwissenschaftler Drehli Robnik die mediale Karriere der Symbolfigur Claus Schenk Graf von Stauffenberg.<span id="more-450"></span></p>
<p>Das Bemerkenswerte an &#8220;Valkyrie&#8221; war, dass nach all dem medialen Bahö, das vor allem in Deutschland um Hollywoods Neuverfilmung des Stauffenberg-Attentats veranstaltet wurde, tatsächlich so wenig bemerkenswert war, an Brian Singers Film.<br />
Die Inszenierung zeigt sich ökonomisch und konventionell, der Hauptdarsteller, Tom Cruise, zurückhaltend. Kaum einmal lässt er sein Superstar-Lächeln flashen, als müsse er sparsam umgehen mit seinen Reizen. Die historische Ereignisfolge wird in &#8220;Valkyrie&#8221; abgehakt, von Stauffenbergs Kriegsverwundung 1943 in Nordafrika, die ihn einen Unterarm, zwei Finger der verbliebenen Hand und das linke Auge kostete, bis zu seinem kolportierten Ausruf &#8220;Es lebe das heilige Deutschland!&#8221;, kurz vor der Erschießung nach dem missglückten Hitler-Attentat am 20. Juli 1944.<br />
Vielleicht war die Erwartungshaltung gegenüber Brian Singers Film ja auch deshalb so gespannt, weil dessen Start ständig aufgeschoben wurde. Sicher kein leichtes Warten für den Wiener Filmwissenschaftler und langjährigen Falterautor Drehli Robnik, der an einem Band über Stauffenberg als Figur medialer Wahrnehmung schrieb, mit dem Ziel, diesen parallel zum Film erscheinen zu lassen. Noch kurz vor Weihnachten standen weder Starttermin noch Pressevorführung fest. Anfang Februar 2009 erschien schließlich &#8220;Geschichtsästhetik und Affektpolitik. Stauffenberg und der 20. Juli im Film 1948-2008&#8243;. Und in gewisser Weise hat sich der Prozess des Wartens dem Buch eingeschrieben.</p>
<p>&#8220;Geschichtsästhetik und Affektpolitik&#8221; ist ein Kompendium unermesslichen Detailwissens, wie es sich nur über einen längeren Zeitraum und vermutlich nur mit Hilfe des Internets ansammeln lässt. Unter der Devise &#8220;everything connects&#8221;, stellt Robnik schon mal Querverbindungen her zwischen Stauffenbergs Augenklappe, der Film- und Medienpirateriedebatte und den aktuellen Piratenübergriffen vor Somalia. Eine Assoziationsfolge, die mit Station bei den &#8220;Pirates of the Carribean&#8221; schließlich mit den Edelweißpiraten wieder beim Thema Widerstand landet.<br />
Wenn Robnik diverse 20. Juli-Verfilmungen seit 1948 interpretatorisch aber auch anekdotisch durchwandert, geht es ihm darum, zu zeigen &#8220;wie Stauffenberg und der 20. Juli durch marginale Filme und durch Marginalien größerer Filme geistern (&#8230;) Es geht um deren Geschichtsbild, nicht zuletzt im Foucault&#8217;schen Sinn der genealogischen Interpretation als Bemächtigung, die Historie ins Zeichen nicht der Kontinuität von Gedächtnis, sondern von Parodie, Possenspiel und Maskierung stellt, als Trödelmarkt der Identitäten.&#8221;</p>
<p>Apropos Maskierung – schon im Eingangskapitel spricht Robnik selbst die Tatsache an, dass viele der Filme zum 20. Juli ähnlich klingende Titel tragen: Und tatsächlich lassen sich Singers &#8220;Valkyrie&#8221;, &#8220;Der 20. Juli&#8221; (Falk Harnack, 1955), &#8220;Es geschah am 20. Juli&#8221; (Georg Wilhelm Pabst, 1955), &#8220;Claus Graf Stauffenberg: Porträt eines Attentäters&#8221; (Rudolf Nussgruber, 1968), &#8220;Stauffenberg&#8221; (Jo Baier, 2004) oder &#8220;Operation Valkyrie: The Stauffenberg Plot to Kill Hitler&#8221; (Jean-Pierre Isbouts, 2008) namentlich schnell verwechseln. Leider wurde versäumt einer solchen, potentiellen Irritation mit einer Filmographie im Anhang – mit Jahreszahlen, Alternativtiteln und Credits – abzuhelfen, sodass man sich beim Lesen gelegentlich im Heer von Stauffenbergs medialen Widergängern verliert.</p>
<p>Aber vielleicht ist dieses Sich-Verlieren im Widerschein der Abbildungen ja auch System. Drehli Robnik über Singers &#8220;Valkyrie&#8221;: &#8220;Der Film, dem gängiges Anti-Hollywood-Ressentiment gern vorwirft, er käme arrogant und in Sachen Geschichte ignorant daher, erweist sich als derjenige Film zum 20. Juli, der Geschichte &#8220;am genauesten kennt&#8221;: die des 20. Juli (&#8230;), vor allem aber die Geschichte von Vorgängerfilmen, aus denen &#8220;Valkyrie&#8221; zahllose Details, reevaluiert und eingewoben in ein paranoides Bild-Netz, wiederkehren lässt: &#8220;Valkyrie&#8221; retroaktiviert die Geschichte der &#8220;Juli&#8221;-Filme, der früheren Filme von Singer, die des Kinos insgesamt. Das ist ganz normal.&#8221;</p>
<p><em>Drehli Robnik<br />
Geschichtsästhetik und Affektpolitik<br />
Stauffenberg und der 20. Juli im Film 1948-2008<br />
238 S. , 16 x 24 cm, ca. EUR 24,-<br />
Paperback<br />
ISBN 978-3-85132-557-7, 2009</em></p>
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		<title>Die drei ??? â€“ Das verfluchte Schloss</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 20:19:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Romanserie um die ??? (sprich: Drei Fragezeichen), drei Juniordetektive aus dem kalifornischen Rocky Beach, gehÃ¶rt zum Feinsten, was die Jugendkriminalliteratur zu bieten hat. Vor allem die ersten zwanzig BÃ¤nde (von mittlerweile 128) sind mit Witz und SchlÃ¤ue erdacht und geben Seite um Seite immer nur genau so viel Information heraus, dass den halbwÃ¼chsigen Lesern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Romanserie um die ??? (sprich: Drei Fragezeichen), drei Juniordetektive aus dem kalifornischen Rocky Beach, gehÃ¶rt zum Feinsten, was die Jugendkriminalliteratur zu bieten hat. <span id="more-449"></span>Vor allem die ersten zwanzig BÃ¤nde (von mittlerweile 128) sind mit Witz und SchlÃ¤ue erdacht und geben Seite um Seite immer nur genau so viel Information heraus, dass den halbwÃ¼chsigen Lesern das Mitraten SpaÃŸ macht. Und das Wichtigste: die Romane, wie auch die HÃ¶rspielserie, die seit den achtziger Jahren vor allem in Deutschland Kult ist, nehmen ihr Publikum ernst. Justus Jonas, das pummlige Mastermind der ???, ist ein kleiner Sherlock, der seine FÃ¤lle durch Nachdenken lÃ¶st. FÃ¼r die Action zustÃ¤ndig ist sein Kollege Peter Shaw, wÃ¤hrend der ruhige Bob Andrews Recherchen und Archiv betreut.<br />
Zu den gelungensten BÃ¤nden gehÃ¶rt Folge 11, <em>Die drei ??? und das Gespensterschloss</em> (1980). In diesem Roman spielt sogar Alfred Hitchcock, der der ursprÃ¼nglich in den USA erschienenen Serie sein Gesicht als Logo lieh, eine Rolle: Der Regisseur beauftragt die drei Detektive, ein Geisterschloss als Film-Location zu suchen. Doch im Haus, das sie auftun, scheint es tatsÃ¤chlich zu spuken.<br />
Die von der deutschen Walt Disney vertriebene Filmversion â€ž<strong>Die drei ??? â€“ Das verfluchte Schloss</strong>â€œ hat mit der unheimlichen Spannung des Romans wenig zu tun. Wohl auch deshalb der leicht verÃ¤nderte Titel. Unter der Regie des Deutschen Florian Baxmeyer werden die drei, von US-Kinderstars verkÃ¶rperten Jungs zu Witzfiguren, die mit weit aufgerissenen Augen durch eine Spukkulisse stolpern. Als Stand-In fÃ¼r Kalifornien dient â€“ warum auch immer â€“ SÃ¼dafrika. Und das Geisterschloss ist von oben bis unten vollgestopft mit Harry-Potter-eskem, magischem Plunder.<br />
Im Originalroman geht im Schloss Ã¼brigens ein verarmter Horrordarsteller aus Hollywoods StummfilmÃ¤ra um. Mit allerlei Spukeffekten versucht er sein Heim vor dem Verkauf zu bewahren. Der Themenpark als letztes Refugium des Genrekinos. Das ist doch unheimlich schÃ¶n.<br />
<em>(Erschienen in Falter 10/09) </em></p>
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		<title>â€žFilmemachen ohne Filmkritik: Das wÃ¤re wie Einrad-Fahrenâ€œ</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 20:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Linzer Filmfestival Crossing Europe widmet den franzÃ¶sisch-schweizer Regisseuren Lionel Baier und Ursula Meier ein gemeinsames Tribute. Neben frÃ¼hen Kurzfilmen und dokumentarischen Arbeiten sind darin auch die aktuellen, in Rotterdam und Cannes uraufgefÃ¼hrten Spielfilme der beiden zu sehen: Baiers &#8220;Un autre Homme&#8221; und Meiers &#8220;Home&#8221; â€“ zwei Werke, die sich in Sachen Seltsamkeit durchaus das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Linzer Filmfestival Crossing Europe widmet den franzÃ¶sisch-schweizer Regisseuren Lionel Baier und Ursula Meier ein gemeinsames Tribute. Neben frÃ¼hen Kurzfilmen und dokumentarischen Arbeiten sind darin auch die aktuellen, in Rotterdam und Cannes uraufgefÃ¼hrten Spielfilme der beiden zu sehen: Baiers &#8220;Un autre Homme&#8221; und Meiers &#8220;Home&#8221; â€“ zwei Werke, die sich in Sachen Seltsamkeit durchaus das Wasser reichen kÃ¶nnen.<span id="more-448"></span></p>
<p>&#8220;Un autre Homme&#8221; ist das satirische PortrÃ¤t zweier Filmkritiker: FranÃ§ois, Neo-Autor einer Provinzzeitung, und seiner etablierten Kollegin Rosa Rouge (gespielt von Baiers Lieblingsdarstellerin Natacha Koutchoumov), die ihn bald intellektuell und erotisch dominiert. In die Trivia-Sammlung der Filmkritik wird &#8220;Un autre Homme&#8221; wohl als Film mit der Blow-Job-im-Pressscreening-Szene eingehen.</p>
<p>Ursula Meiers â€žHomeâ€œ inszeniert in mÃ¤chtigen Tableaus ein anarchisch-ausgelassenes FamilienglÃ¼ck am Rande einer nie zu Ende gebauten Autobahn. Und die Vertreibung aus diesem Paradies, als eines Tages doch noch die Bagger und Teermaschinen kommen.<br />
Wie Tatis â€žPlaytimeâ€œ oder Faraldos â€žThemrocâ€œ verdichtet Meier die AbsurditÃ¤t der modernen Existenz zum Raum-Plan-Spiel. Wo eine technisierte Umwelt den Menschen abstÃ¶ÃŸt, muss dieser erst Recht mit Witz und SchlÃ¤ue parieren. Als Nachbild des Films bleibt eine strubbelige Isabelle Huppert, mit Rollschuhen und HockeyschlÃ¤ger auf einem endlosen Band aus Asphalt.<br />
Maya McKechneay hat Lionel Baier am Rande des Internationalen Filmfestivals Rotterdam getroffen.</p>
<blockquote><p>Herr Baier, Ursula Meier und Sie arbeiten nicht nur immer wieder zusammen, Sie sind auch befreundet: Wie haben Sie sich kennen gelernt?</p></blockquote>
<p>Das war 2002, als das Schweizer Fernsehen eine Dokumentarfilm-Serie Ã¼ber die Schweiz in Auftrag gab: Dazu gehÃ¶rte Ursulas Pas les Flics, Pas les Noirs, pas les Blancs (Dokumentation Ã¼ber ein interkulturelles Projekt der Genfer Polizei, Anm.), meine Dokumentation La Parade (Ã¼ber die Vorbereitungen der Gay-Pride 2001 im Wallis, Anm.) und Helvetia.doc, ein Film von Jean-Stephane Bron Ã¼ber das Schweizer Parlament. Wir haben gleichzeitig gedreht, und Ursula und ich haben uns entschlossen, aus unseren FernsehbeitrÃ¤gen Kinofilme zu machen. Autour de Pinget, Ursulas Film Ã¼ber Robert Pinget (Schweizer Romanautor, Anm.), und ihre Kurzfilme, Tous Ã  table und Le Sang du Isaac hatte ich schon gesehen und wusste: Das MÃ¤dchen ist interessant, die will ich kennen lernen.</p>
<blockquote><p>Waren Sie damals Teil einer Schweizer Filmgruppe?</p></blockquote>
<p>Nein. Und das GefÃ¼hl habe ich auch heute nicht; ich fÃ¼hle mich nicht mal als Teil der Schweizer Filmindustrie &#8230; DafÃ¼r verbindet mich eine enge Freundschaft mit Ursula und Jean-Stephane. Wir besprechen unsere Projekte miteinander und kÃ¶nnen uns austauschen, ohne dass wir uns gegenseitig in unserer KreativitÃ¤t behindern. Das ist umso interessanter, als wir ganz unterschiedliche Filme machen.</p>
<blockquote><p>Aber Sie leben mittlerweile in verschiedenen StÃ¤dten, Sie in Paris und Ursula Meier in BrÃ¼ssel &#8230;</p></blockquote>
<p>Das macht nichts: Wir telefonieren alle zwei Tage Ã¼ber Skype, und die StÃ¤dte liegen nur eine Zugstunde auseinander. AuÃŸerdem wird Ursula im FrÃ¼hjahr anfangen an der Kunsthochschule Lausanne zu unterrichten, an der Filmabteilung, die ich leite â€“ auf die Art werden wir uns wieder Ã¶fter sehen.</p>
<blockquote><p>Haben Sie eigentlich selbst an der Filmhochschule Lausanne studiert?</p></blockquote>
<p>Nein, ich habe im Unterschied zu Ursula nie eine Filmschule besucht. Insofern war es schon seltsam fÃ¼r mich, als man mir diesen Job anbot und ich zum ersten Mal eine Filmschule betrat &#8230; mir erst mal Ã¼berlegen musste, was man dort wohl lernt, wie die StundenplÃ¤ne aussehen kÃ¶nnten. Ich habe den Job damals angenommen, weil ich ein unkonventionelles, nicht-akademisches Unterrichtskonzept ausprobieren wollte; eine Art Workshop fÃ¼r Filmemacher.</p>
<blockquote><p>Welchen Stellenwert nimmt die Filmhochschule Lausanne in der Schweiz ein?</p></blockquote>
<p>Es gibt zwei groÃŸe Filmhochschulen in der Schweiz: Lausanne fÃ¼r die Romandie und ZÃ¼rich fÃ¼r die deutschsprachigen Studenten. An der Kunsthochschule Lausanne gibt es ungefÃ¤hr 500 Studierende, davon 50 bis 60 im Fach Film. Sechs verlassen durchschnittlich pro Jahr mit Diplom die Schule.</p>
<blockquote><p>Was haben Sie selbst eigentlich studiert?</p></blockquote>
<p>Die franzÃ¶sische Literatur des Mittelalters.</p>
<blockquote><p>Wie FranÃ§ois, die Hauptfigur in &#8220;Un autre Homme&#8221;?</p></blockquote>
<p>Genau. SpÃ¤ter kam dann noch Filmtheorie, Filmgeschichte und Filmkritik dazu. Ich wollte dezidiert nicht auf eine Filmhochschule. Die Vorstellung, jahrelang mit Leuten zusammen zu hocken, die nur Ã¼bers Filmemachen reden, hat mich abgeschreckt. Ich habe ja auch noch andere Interessen. Die wollte ich vorher entwickeln, habe aber wÃ¤hrend meines Studiums schon als Regieassistent fÃ¼r Richard Dindo oder Jacqueline Veuve gearbeitet.</p>
<blockquote><p>Das heiÃŸt, Sie wussten schon frÃ¼h, dass Sie Regisseur werden wollen?</p></blockquote>
<p>Ja, das wollte ich schon immer. Nur wusste ich nicht so genau, wie ich es anstellen soll. In den frÃ¼hen neunziger Jahren habe ich das kleine Kino Rex in der NÃ¤he meines Heimatortes programmiert. Damals habe ich Regisseure eingeladen, ihre Filme in unserem Cine-Club zu prÃ¤sentieren â€“ auch, um sie auf die Art kennen zu lernen. Meinen ersten â€žFilmjobâ€œ habe ich bei Jacqueline Veuve bekommen. Sie brauchte damals jemanden fÃ¼r eine Recherche.<br />
Ich glaube Ã¼berhaupt, Dokumentarfilm ist ein guter Einstieg. Man arbeitet mit einer kleinen Crew. Die Leute sind zugÃ¤nglicher. Man begreift schneller als bei einem Spielfilm, worum es geht, und kann sich ins Team integrieren.</p>
<blockquote><p>Um auf FranÃ§ois, den Filmkritiker in Ihrem neuen Film Un autre homme zurÃ¼ck zu kommen. Als Berufsgenosse ist er fÃ¼r mich natÃ¼rlich interessant. Mir scheint, als Autor und Filmemacher stehen Sie dieser Figur nicht gerade wohlwollend gegenÃ¼ber.</p></blockquote>
<p>Finden Sie? Dabei ist meine eigene AnnÃ¤herung an das Kino groÃŸteils Ã¼ber Filmkritiken passiert. Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen &#8230;</p>
<blockquote><p>Wo genau?</p></blockquote>
<p>&#8230; Nahe dem Neuenburger See, im Kanton Vaud. Das ist in der Nordschweiz. Jedenfalls gab es in der Gegend nur ein einziges Kino, das ausschlieÃŸlich amerikanische Blockbuster spielte. Keine europÃ¤ischen Filme oder Autorenfilme. Mein erster Zugang zu einem â€žanderenâ€œ Kino fand also durch die Kritiken statt, die ich in der Zeitung lesen konnte. Durch diese LektÃ¼re habe ich viel Ã¼ber das Filmemachen gelernt. Manche Kritiker, wie Serge Daney oder Jean-Luis Comolli, sind fÃ¼r mich als EinflÃ¼sse mindestens ebenso wichtig wie Regisseure. Manche Regisseure wiederum, die ich bewundere, waren frÃ¼her Filmkritiker: Truffaut oder Rohmer.</p>
<blockquote><p>Sie selbst haben nie Filmkritiken geschrieben?</p></blockquote>
<p>Nein. DafÃ¼r bin ich zu emotional. Ich glaube auch, dass es mehr Mut erfordert, Kritiken zu schreiben, als Filme zu machen.</p>
<blockquote><p>Ist das Ihr Ernst? Ich glaube, so eine Aussage wird man so schnell von keinem anderen Regisseur hÃ¶ren &#8230;</p></blockquote>
<p>Doch, wirklich! Als Filmemacher macht man eine persÃ¶nliche Aussage, da ist die Position klar. Als Filmkritiker muss man erst seine eigene Position, seine Haltung klÃ¤ren gegenÃ¼ber Material, das von anderen kommt. Dazu muss man oft Dinge verstehen, die vielleicht nicht mal der Filmemacher selbst wahrgenommen hat; einen Kontext herstellen. Insofern braucht man â€“ auf intellektuellem Level â€“ mehr Mut als zum Filmemachen.</p>
<blockquote><p>Wie geht es Ihnen denn mit den Filmkritiken zu Ihren eigenen Filmen? Ist es schon vorgekommen, dass Ihnen ein Text Neues Ã¼ber den eigenen Film gesagt hat?</p></blockquote>
<p>Aber ja. Ich mag die neuen Assoziationen, die sich durch Kritiken auftun. Da verbindet sich plÃ¶tzlich etwas â€“ dieser Film, zum Beispiel, mein Film â€“ hat zu tun mit diesem Buch, diesem Kunstwerk, diesem anderen Film. Es Ã¶ffnen sich ZusammenhÃ¤nge, ein neuer Sinn entsteht. Filmemachen ohne Filmkritik: Das wÃ¤re wie Einrad-Fahren. Um wirklich vorwÃ¤rts zu kommen, braucht das eine Rad der Filmindustrie das zweite der Filmkritik.</p>
<blockquote><p>Wenn ich an die Kritiker-Figuren in ihrem Film denke, bin ich Ã¼berrascht, dass Sie das so sehen &#8230;</p></blockquote>
<p>Ich fÃ¼r mich wÃ¼rde sowieso nicht sagen, dass Un autre homme ein Film Ã¼ber Kritiker ist. Vielleicht ein Film Ã¼ber verschiedene Positionen der Kritik. Und er spielt im Kritiker-Milieu. Es gibt diese zwei Positionen: FranÃ§ois, der nur die Haltung anderer kopiert. Und Rosa Rouge, eine Kritikerin, die zwar klug ist, aber das Kino nicht liebt. Der Kritiker, den ich am meisten schÃ¤tze, kommt im Film als Person gar nicht vor. Es ist der Verfasser jener Texte in der Zeitschrift Travelling, die FranÃ§ois immer abschreibt.</p>
<blockquote><p>In der Schweiz ist &#8220;Un autre homme&#8221; gerade gestartet: Wie wurde der Film von der Filmkritik aufgenommen?</p></blockquote>
<p>Das ist eigenartig. Ich glaube, viele Kritiker mÃ¶gen ihre Kollegen nicht. Sie verachten die eigene Profession. Dieser Eindruck hat sich durch die Art, wie der Film besprochen wurde, bei mir verstÃ¤rkt. Manche Filmkritiker scheinen zu glauben, dass sie die einzigen sind, die auf Seiten der Filmemacher stehen, die einzigen, die ihre Arbeiten wirklich verstehen.</p>
<blockquote><p>Sie meinen: Filmkritiker, die lieber Regisseure wÃ¤ren? Seltsam. In Ã–sterreich spÃ¼re ich eher eine unsichtbare Trennlinie zwischen Machern und Kritikern &#8230;</p></blockquote>
<p>Das ist natÃ¼rlich auch schade! In den siebziger Jahren beispielsweise gab es eine wirklich enge Verbindung zwischen den Schweizer Filmemachern und den Kritikern â€“ damals erreichte das Schweizer Filmschaffen einen HÃ¶hepunkt, auch aufgrund der hohen DiskursqualitÃ¤t. Heute liegt auch in der Schweiz zwischen Regisseuren und Kritikern eine Art Kluft. Das scheint mir unnatÃ¼rlich und auch problematisch. Was mich als Filmemacher betrifft: Ich erwarte von einem Kritiker nicht, dass er etwas Nettes Ã¼ber meinen Film sagt. Was ich mir erhoffe, ist, dass er eine intelligente Aussage dazu trifft, egal ob positiv oder negativ. Am liebsten sind mir die Kritiken, an deren Ende ich immer noch nicht weiÃŸ, ob der Autor meinen Film mag oder nicht. Weil es um etwas ganz anderes geht.</p>
<blockquote><p>Mich persÃ¶nlich interessiert die Auseinandersetzung mit einem Film meistens auch mehr als die Bewertung. Aber die Leser fordern ein Urteil, die wollen vor allem wissen, ob ein Film sehenswert ist oder nicht. Da unterliegt man als Kritikerin auch einem Sachzwang.</p></blockquote>
<p>In einem kleinen Land wie der Schweiz kommt zu diesen Komplikationen noch dazu, dass jeder im FilmgeschÃ¤ft jeden kennt. Ich kenne die Kritiker. Die Kritiker kennen mich. Da kommt es schon mal zu Verwechslungen zwischen mir und meinem Werk. Einige Kritiker wollten zum Beispiel nicht Ã¼ber meinen zweiten Film GarÃ§on Stupide schreiben, weil sie mich mÃ¶gen, aber nicht den Film. So etwas finde ich kindisch. Ich werde doch niemandem Ã¼bel nehmen, dass er meinen Film nicht mag. Viel schlimmer ist es fÃ¼r mich, wenn mein Film in einer Zeitung Ã¼berhaupt nicht vorkommt.</p>
<blockquote><p>Ich wÃ¼rde mit Ihnen gern noch Ã¼ber die Schweizer Filmfinanzierung sprechen. Wie ist die aufgebaut?</p></blockquote>
<p>Da ist einmal unsere LandesfÃ¶rderstelle, das Bundesamt fÃ¼r Kultur, das Filmemacher aus der gesamten Schweiz unterstÃ¼tzt. Die Filmsektion des BAK hat jÃ¤hrlich rund 16 Millionen Franken (10,8 Millionen Euro, Anm.). Die zweite wichtige Finanzierungsquelle ist natÃ¼rlich das Schweizer Fernsehen, jeweils die franzÃ¶sisch- oder deutschsprachigen Sender. Es gibt aber wiederum einen Topf von Fernsehgeldern fÃ¼r die Gesamtschweiz â€“ fÃ¼r landesweite Projekte. Dann gibt es noch eine ursprÃ¼nglich von Filmemachern ins Leben gerufene Filmstiftung in ZÃ¼rich, die groÃŸe Summen in einer Mischung aus privaten und Ã¶ffentlichen Geldern bereitstellt.</p>
<p>Die FranzÃ¶sisch-Schweizer haben darauf mit einem eigenen Fonds reagiert: RegioFilm. Dieser Fonds speist sich aus Kantons-Geldern und den Einnahmen der Nationallotterie. Dieses Geld wird in einem Topf fÃ¼r die franzÃ¶sische Schweiz zusammengezogen. Vorher hatte jeder einzelne Kanton eine kleine Summe Geld, mit der man nicht wirklich etwas anfangen konnte. Durch das neue Projekt werden grÃ¶ÃŸere Projekte mÃ¶glich. Dann ist da noch ein relativ neues FÃ¶rdermodell, SuccÃ¨s CinÃ©ma, das den nationalen Erfolg auf der Leinwand belohnt. FÃ¼r jede in der Schweiz verkaufte Eintrittskarte gibt der Staat einen Franken dazu. Die Gesamtsumme wird bei Einreichung eines neuen Projektes frei.<br />
In der Schweiz ist es sowieso Ã¼blich, Filme, zumal Spielfilme, als Koproduktion mit anderen LÃ¤ndern zu produzieren.</p>
<blockquote><p>&#8220;Un autre Homme&#8221; ist aber ausschlieÃŸlich aus Schweizer Mitteln finanziert?</p></blockquote>
<p>Das ist ein Ausnahmefall. Der ist mit wirklich kleinem Budget gedreht. Wenn man alle FÃ¶rdermÃ¶glichkeiten in der Schweiz ausschÃ¶pft, kommt man auf maximal zwei Millionen Schweizer Franken. Das ist nicht viel. Meine vorhergehenden Filme Comme des Voleurs und GarÃ§on Stupide waren beide Koproduktionen. Das gleiche gilt fÃ¼r die Spielfilme von Ursula. Das hat natÃ¼rlich noch andere GrÃ¼nde als die Finanzierung der Produktion: Man will vielleicht Techniker oder Schauspieler aus Frankreich einsetzen und dem Film damit auch gleich bessere Chancen auf einen Kinostart in Frankreich geben. Frankreich ist natÃ¼rlich unser grÃ¶ÃŸter Markt.</p>
<blockquote><p>FÃ¼r den Sie als Schweizer Filmemacher in Paris die bessere Startposition haben.</p></blockquote>
<p>Auf jeden Fall.</p>
<blockquote><p>Robert Boner, der Produzent all ihrer Spielfilme, ist ebenfalls ein Schweizer, der in Frankreich lebt &#8230;</p></blockquote>
<p>Ja. Er war mit der franzÃ¶sischen Schauspielerin und Regisseurin Christine Pascal verheiratet. Deswegen lebt er in Paris, hat aber eine Produktionsfirma in Frankreich und eine in der Schweiz. Ursulas Pas les flics, pas les noirs, pas les blancs hat er zum Beispiel auch produziert.</p>
<blockquote><p>Das heiÃŸt Sie schneiden ihre Filme in &#8230;</p></blockquote>
<p>&#8230; Paris derzeit. Die Cutterin ist auch FranzÃ¶sin.</p>
<blockquote><p>Und pendeln fÃ¼r ihren Filmhochschuljob immer wieder nach Lausanne?</p></blockquote>
<p>Ja. Ich habe ein System, im Zug zu arbeiten. In dreieinhalb Stunden kann ich lesen, schreiben, auf meinem Laptop einen Film ansehen. Ich glaube Ã¼brigens, dass es viele Filmemacher so machen. Im Zug trifft man viele Leute. Jean Luc Godard zum Beispiel, den sehâ€™ ich manchmal im Zug zwischen Lausanne und Paris.</p>
<blockquote><p>Ich habe gerade Ã¼berlegt: In Ihren Filmen kommen trotzdem kaum ZÃ¼ge vor.</p></blockquote>
<p>Stimmt. Es gibt nur zwei sehr kurze Zugszenen. Ich sollte in Zukunft definitiv mehr in ZÃ¼gen drehen. Wir Schweizer lieben nÃ¤mlich ZÃ¼ge. Das wÃ¤re bestimmt ein Erfolgsrezept (lacht).</p>
<p>**********************************************<br />
<strong>Lionel Baier</strong>, Jahrgang 1975, dreht seit den neunziger Jahren Filme und leitet seit 2002 die Filmabteilung der Kunsthochschule ECAL in Lausanne. Gemeinsam mit den befreundeten Regiekollegen Ursula Meier, die in seinen Filmen immer wieder kleinere Rollen spielt, und Jean-StÃ©phane Bron (&#8220;Mais im Budeshuus&#8221;) gilt er als Galionsfigur einer jungen welsch-schweizer Filmszene.</p>
<p>Filme: Mignon Ã  croquer (1999, KF), Celui au pasteur (ma vision personelle des choses) (2000, Dok), Mon pÃ¨re, c&#8217;est un lion (2002, KF, Dok), La Parade (notre histoire) (2001, Dok), GarÃ§on stupide (2004), Comme des Voleurs (2006), ContinuitÃ© nationale (2007, KF), Un autre Homme (2008)</p>
<p><strong>Ursula Meier</strong>, 1971 in BesanÃ§on (Frankreich) als Kind eines franzÃ¶sisch-schweizerischen Elternpaares geboren, studierte am Institut des Arts de Diffusion, Belgien. Ihr dortiger Abschlussfilm, &#8220;Le songe d&#8217;Isaac&#8221;, wurde 1994 fÃ¼r einen Kurzfilm-Oscar nominiert.</p>
<p>Filme:<br />
Le Songe d&#8217;Isaac (1994, KF), Des Heures sans Sommeil (1998, KF), Autour de Pinget (2000, KF), Pas les Flics, pas les Noirs, pas les Blancs (2001, Dok), Des Ã‰paules Solides (2002), Home (2008)</p>
<p><em>(Das Interview erscheint in <a href="http://www.kolikfilm.at/">Kolik.Film Nr. 11</a>, FrÃ¼hjahr 2009) </em></p>
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		<title>Von Debütanten lernen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Feb 2009 20:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_buchbesprechung]]></category>
		<category><![CDATA[_zÃ¤hler]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Band &#8220;Dokumentarfilm. Werkstattberichteâ€œ erzählen neun Berliner Debütregisseure auf erfrischend direkte Art von Pannen, Pech und Pleiten, und dem Glück des ersten Films.
Bücher über Dokumentarfilm gibt es reichlich. Darunter solche, in denen renommierte Filmemacher in Essayform die eigene Arbeit reflektieren, andere, in denen sie Interviews geben, oder BÃ¤nde, in denen sich Filmtheoretiker mit dem Thema [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Band &#8220;Dokumentarfilm. Werkstattberichteâ€œ erzählen neun Berliner Debütregisseure auf erfrischend direkte Art von Pannen, Pech und Pleiten, und dem Glück des ersten Films.<span id="more-451"></span></p>
<p>Bücher über Dokumentarfilm gibt es reichlich. Darunter solche, in denen renommierte Filmemacher in Essayform die eigene Arbeit reflektieren, andere, in denen sie Interviews geben, oder BÃ¤nde, in denen sich Filmtheoretiker mit dem Thema befassen.<br />
Ein Buch wie das vorliegende gibt es nach Kenntnis der Rezensentin allerdings noch nicht. Umso schÃ¶ner, dass es jetzt vorliegt. Denn â€žDokumentarfilm. Werkstattberichteâ€œ nÃ¤hert sich dem Thema auf erfrischend unhierarchische Weise.<br />
Neun junge Regiestudentinnen und â€“studenten der Berliner dffb (Deutsche Film- und Fernsehakademie) erzÃ¤hlen hier von ihren Erfahrungen mit dem ersten Dokumentarfilm. Von gescheiterten ersten Ideen, von Protagonisten, die unterwegs absprangen, von intimen GlÃ¼cksmomenten wÃ¤hrend des Drehs oder schlaflosen Wochen im Schneideraum. Ohne Eitelkeit listen sie dabei Produktionspatzer auf, bereuen im Nachhinein, die eine, wichtige Drehgenehmigung nicht eingeholt oder die Rechte fÃ¼r die paar Sekunden TV-Geflacker im Hintergrund nicht gleich geklÃ¤rt zu haben. Andere geben im Anhang praktische Tipps bis hin zu Telefonnummern tendenziell ankaufswilliger Dokumentarfilmredakteurinnen bei WDR, 3sat oder arte â€“ die Damen werden sich Ã¼ber den Ansturm freuen.</p>
<p>Was die Gruppe der neun eint, ist ihr Professor, der bekannte deutsche Dokumentarfilmregisseur Andres Veiel (â€žDie SpielwÃ¼tigenâ€œ, â€žDer Kickâ€œ), der gemeinsam mit BÃ©atrice Ottersbach auch als Herausgeber des Bandes fungiert. Die Filmstudenten, die Veiel drei Jahre lang betreute, firmieren mittlerweile als Gruppe â€žsuper neunâ€œ, deren Markenzeichen ein sehr persÃ¶nlicher dokumentarischer Ansatz ist: Viele der Filme nehmen ihren Ausgang in der Familiengeschichte oder im nÃ¤chsten privaten Umfeld der Regisseure.</p>
<p>Bis auf einen (im Buch dennoch beschriebenen) â€žPapiertigerâ€œ, feierten alle Projekte mittlerweile Premiere. Darunter zwei Filme mit besonders klarer Handschrift: â€žDrifterâ€œ von Sebastian Heidinger und â€žSollbruchstelleâ€œ von Eva Stotz, der unter anderem bei der Viennale 2008 zu sehen war.</p>
<p>Eva Stotzâ€™ â€žSollbruchstelleâ€œ ist ein kluger Essayfilm Ã¼ber die ethische Entwertung der Arbeit in Deutschland. In ihrem Drehtagebuch schildert die Regisseurin den schwierigen Formfindungsprozess fÃ¼r ein so weit gefasste Thema: â€žâ€œSollbruchstelleâ€œ strÃ¤ubte sich lange dagegen, ein Film zu werden. Ich kÃ¤mpfte zwei Jahre mit den PuzzlestÃ¼cken, bis sie sich endlich gefÃ¼gig zeigten und in Form legten. Die grundlegende Schwierigkeit: Der Protagonist war zugleich mein Vater.â€œ Angedachte Spielszenen verwarf Stotz noch vor Drehbeginn und fuhr stattdessen â€žmit offenen Augen durch Berlinâ€œ. Am Ende ihres Textes zieht sie das sympathische ResÃ¼mme, alles was man brauche, damit einem die RealitÃ¤t Perlen schenke, sei: â€žbereites Team, bereite Technik, offenes Herz und der Rest ist LÃ¼cke fÃ¼r den Zufall.â€œ</p>
<p>Ã„hnlich erging es Heidinger, der mit einem alten VW-Bus mit Cordsofas vor dem Bahnhof Zoo Quartier bezog, um zur dortigen Drogen- und Stricherszene Kontakt zu finden. Die Protagonisten suchten schlieÃŸlich ihn auf, nicht umgekehrt, und wurden in langen GesprÃ¤chen auch Ã¼ber formale Fragen in den Prozess des Filmemachens einbezogen.</p>
<p>NatÃ¼rlich ist es eine BinsenweiÃŸheit, dass fÃ¼r jede in einem Dokumentarfilm enthaltene Szene mindestens ein Dutzend angedachter, vielleicht sogar gedrehter, aber nicht hineinmontierter Szenen steht. Das SchÃ¶ne an â€žDokumentarfilm. Werkstattberichteâ€œ ist jedoch, dass der Band zeigt, dass auch die scheinbar klarste filmische Sprache tatsÃ¤chlich auf einem Ausschlussprozess basiert. Nach Ende der LektÃ¼re hat man den Eindruck, dass gerade das, was in einem Film am Ende gar nicht vorkommt, die Bilder Ã¼berlagern und prÃ¤gen kann wie ein altes, weises Phantom.</p>
<p><em>Andres Veiel, BÃ©atrice Ottersbach (Hg.)<br />
Dokumentarfilm<br />
Werkstattberichte<br />
1. Auflage<br />
2008, 280 Seiten, br., Abb.: 52 fb., 51 sw.<br />
ISBN 978-3-86764-085-5<br />
EUR 19,90 / CHF 35,90<br />
(Praxis Film, Band 42)</em></p>
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		<title>Asian Angst</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Feb 2009 22:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_thementext]]></category>
		<category><![CDATA[_zÃ¤hler]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wurde eigentlich aus dem Asien-Horror-Hype? Zehn Jahre nach â€žRinguâ€œ sind lange schwarze Haare Out. DafÃ¼r rumort es ordentlich in der Trickkiste kleinerer LÃ¤nder SÃ¼dostasiens. 
Das asiatische Horrorkino? NatÃ¼rlich gibt es das nicht. Asien ist groÃŸ und umfasst LÃ¤nder mit vÃ¶llig unterschiedlichen Filmkulturen: die MassenproduktionsstÃ¤tte Indien im SÃ¼den. Die Philippinen mit ihrer gerade erblÃ¼henden, experimentellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was wurde eigentlich aus dem Asien-Horror-Hype? Zehn Jahre nach â€žRinguâ€œ sind lange schwarze Haare Out. DafÃ¼r rumort es ordentlich in der Trickkiste kleinerer LÃ¤nder SÃ¼dostasiens. <span id="more-447"></span></p>
<p>Das asiatische Horrorkino? NatÃ¼rlich gibt es das nicht. Asien ist groÃŸ und umfasst LÃ¤nder mit vÃ¶llig unterschiedlichen Filmkulturen: die MassenproduktionsstÃ¤tte Indien im SÃ¼den. Die Philippinen mit ihrer gerade erblÃ¼henden, experimentellen Filmkultur im SÃ¼dosten. Oder im Osten die Filmnationen SÃ¼dkorea und Japan, die das westliche Kino auf dem Horrorsektor immer wieder mit hochwertigen Produktionen versorgen. In diesen LÃ¤ndern entstehen Filme, die sich schwer auf einen Nenner bringen lassen.<br />
So gestand der philippinische Filmkritiker Noel Vera in der Festivalzeitschrift des Internationalen Filmfestivals Rotterdam 2009 zum Festivalschwerpunkt â€žasiatischen Horrorkinoâ€œ zunÃ¤chst seine Ratlosigkeit. Statt Aussagen formulierte er Fragen und Relativierungen: â€žIst der Glaube an Geister in Asien stÃ¤rker verbreitet? Ja â€“ dennoch verhalten sich Asiaten im Alltag besonders rational. Ist die asiatische Kultur offener fÃ¼r die Idee des ÃœbernatÃ¼rlichen? Ja â€“ gleichzeitig ist sie technischen Neuerungen gegenÃ¼ber besonders aufgeschlossen. Sind asiatische Horrorfilme Hollywood Ã¼berlegen? Ja â€“ meistens. Aber viele asiatische Filme sind ursprÃ¼nglich von Hollywood inspiriert.â€œ</p>
<p>Einige Merkmale verbinden die unheimlichen Filme Asiens aber vielleicht doch. Eines davon: Das asiatische Publikum wie das Gros der Regisseure glaubt wirklich an das ÃœbernatÃ¼rliche als festen Bestandteil des Alltags. Auch darum sind viele der Geisterfilme aus asiatischen LÃ¤ndern im Alltag geerdet. Sie finden in einer modernen, urbanen Umgebung statt, und flÃ¼chten nicht, wie die Mehrzahl der westlichen Genrebeispiele an einen Ort auÃŸerhalb der Zivilisation (â€žTeenager â€“ Auto â€“Panne im Waldâ€œ).</p>
<p>Der japanische Geisterfilm â€žDark Waterâ€œ (â€žHonogurai mizu no soko karaâ€œ) zerrte schon 2002 das Haunted House-Genre aus den gotischen GewÃ¶lben und verpflanzte es in die moderne GroÃŸstadt Tokyo. In Hideo Nakatas Inszenierung bedrohen die unheimlichen VorgÃ¤nge in einem heruntergekommenen Apartmenthaus eine allein erziehende Mutter und ihre kleine Tochter.</p>
<p>Der Hong Kong-Chinese Lee Kwong-Yiu, der sich seit seinem Studium in New York David Lee nennt, knÃ¼pft mit seinem SpielfilmdebÃ¼t an den Sozialbauhorror an. Die Geistergroteske â€žYes, I can see dead Peopleâ€œ (2007) spielt ebenfalls in einem brÃ¶ckeligen Apartmenthaus, dessen lange, schlecht beleuchtete BetongÃ¤nge die Erinnerung an ganz alltÃ¤gliche Angst-RÃ¤ume wachruft. â€žYes, I can see dead peopleâ€œ erzÃ¤hlt in flashigen RÃ¼ckblenden von einer Selbstmordserie, die in diesem Haus stattfand, und zeigt anschlieÃŸend die Toten, die noch immer in den Fluren kauern und an den Opfergaben nagen, die ihre Verwandten vor die TÃ¼r stellen. Ã„hnlich der westlichen Mythologie sind diese Geister ruhelos, weil ihre letzten WÃ¼nsche unerfÃ¼llt blieben. KÃ¶rperlos geworden, nehmen sie Besitz von jenen Objekten, gegen die sie einen Groll hegen. Mit einem sozialkritischen Augenzwinkern fÃ¼hrt Lee dabei das schÃ¶ne Motiv der von einem Rachegeist besessenen Dollarnote ein.<br />
Lee, der sein Handwerk als Regieassistent von Tsui Hark lernte, spielt routiniert mit den Konventionen des Spukhaus-Genres: prekÃ¤re Kamerawinkel, expressive Beleuchtung Ã  la Dario Argento, sowie ein Score, der an Carpenters â€žHalloweenâ€œ erinnert. Allerdings verhindert das Wechselbad von Slapstick und Horror, dass hier wirklich Angst aufkommt.</p>
<p>Wer auf der Suche nach dem Unheimlichen ist, wird von der â€žNightmare Detectiveâ€œ-ReiheÂ  des Japaners Shinya Tsukamoto sicher besser bedient. Tsukamoto, der 1989 mit der apokalyptisch-extravaganten Rockphantasie â€žTetsuoâ€œ bekannt wurde, schlÃ¤gt in â€žNightmare Detectiveâ€œ (â€žAkumu Tantei â€œ, 2006) und â€žNightmare Detective 2â€œ (â€žAkumu Tantei 2 â€œ, 2008) ruhigere TÃ¶ne an. Der japanische Jungstar Ryuhei Matsuda spielt darin einen jungen Introvert, der die FÃ¤higkeit besitzt, in die TrÃ¤ume andere Menschen einzudringen. Ein Talent, von dem er nur ungern Gebrauch macht, hat er doch genug mit eigenen Depressionen zu kÃ¤mpfen. Ein schwarzes Regencape hÃ¤ngt ihm traurig um die Schultern wie die strÃ¤hnigen Haare um das schmale Gesicht; und eigentlich will er selbst nichts anderes als tot sein. Nur zum Sterben fehlt diesem Helden die Energie.<br />
Tsukamotos Film wechselt zwischen der realen Kulisse einer kalten, farbentleerten GroÃŸstadt und der imposanten Welt der TrÃ¤ume: Wie David Lynch scheint diesen Regisseur ein direkter Draht mit dem Unterbewusstsein zu verbinden. Viele der Traumbilder wirken seltsam bekannt, und Ã¤hnlich â€žMulholland Driveâ€œ verliert man irgendwann den Boden der RealitÃ¤t unter den FÃ¼ÃŸen. Analog zu diesem GefÃ¼hl zeigt Tsukamoto den Nightmare Detective in seinem Cape in einem blaugrauen Meer versinken. Die Dimensionen verschwimmen. Und bald ist sein KÃ¶rper nur mehr ein winziger Punkt auf der Leinwand.</p>
<p>Im ersten Teil hat sich Tsukamoto selbst ein Cameo beschert: Der Regisseur spielt â€ž0â€œ, einen LebensmÃ¼den, der per Mobiltelefon Kontakt zu anderen LebensmÃ¼den sucht, um sich gemeinsam mit ihnen zu tÃ¶ten â€“ und dabei eine seltsame, paranormale FÃ¤higkeit in sich entdeckt.</p>
<p>Gekonnt inszeniert Tsukamoto die typischen stÃ¤dtischen AngstrÃ¤ume als RÃ¤ume des manifesten Terrors: In einem einsamen Fahrradkeller beginnt sÃ¤mtliches Metall zu scheppern. Ein unsichtbar tobendes Etwas verfolgt eine junge Frau Ã¼ber eine einsame ÃœberfÃ¼hrung. Die MÃ¼llverbrennungsanlage eines Miethauses wird fÃ¼r spielende Kinder zur Falle. Und natÃ¼rlich gebÃ¤rdet sich immer wieder als Angstraum Nummer 1: die Aufzugskabine. Seine Effekte setzt Tsukamoto gezielt und fÃ¼r asiatische VerhÃ¤ltnisse sparsam ein: Mal zittert die Kamera vor Angst. Mal durchbricht ein Blutfleck grellrot die farbige Enthaltsamkeit .<br />
Auf einem sehr subtilen Level besitzt die â€žNightmare Detectiveâ€œ-Reihe natÃ¼rlich auch Humor. Denn was anders ist schon der Alptraum-Detektiv als ein Psychoanalytiker? Eine Art In-Joke in diesem Zusammenhang die Szene, in der der Held eine junge TrÃ¤umerin an der Hand nimmt und sanft fortfÃ¼hrt von einem berghohen, vaginafÃ¶rmigen Schlund. Freud hÃ¤tte seinen SpaÃŸ gehabt.</p>
<p>Aber, talking of Lynch-alikes: Noch etwas surrealer geht es in â€žForbidden Doorâ€œ (â€žPinto Terlarangâ€œ) zu. Horrorfilm mag man diese zweite Regiearbeit des indonesischen Filmkritikers und Regisseurs Joko Anwar eigentlich nicht nennen. Vielmehr handelt es sich um ein Verwirrspiel mit Abbildung und Objekt: Gambir, ein Bildhauer, der auf Bronzeplastiken schwangerer Frauen spezialisiert ist, verdankt seinen Ruhm einem dunklen Geheimnis. In jedem der kugelrunden BÃ¤uche eingeschweiÃŸt liegt ein echter FÃ¶tus, den der KÃ¼nstler gegen ein Trinkgeld am Hinterausgang der Abtreibungsklinik bekommt. Die Darstellung entspricht auf abgrÃ¼ndige Weise dem Dargestellten.<br />
Doch das ist erst der Anfang. Das klassische Sujet der Statue als KÃ¶rperversteck â€“ das die Kinogeschichte von Michael Curtizâ€™ â€žMystery of the Wax Museumâ€œ (1933) bis zum â€žHouse of Waxâ€œ (2005) durchzieht â€“ dient Joko Anwar nur als Startrampe fÃ¼r ein medienbewusstes Vexierspiel.<br />
Gambir wird Mitglied in einem elitÃ¤ren Herrenclub, in dem man sich auf Monitoren durch Live-Aufnahmen von Misshandlungs- und SelbstverstÃ¼mmelungsszenarien zappt. Ebenso fasziniert wie abgestoÃŸen, beschlieÃŸt der KÃ¼nstler, einen kleinen Jungen, der in den Videos von seinen Eltern gequÃ¤lt wird, vor dem Tod zu retten. Die Suche nach dessen Aufenthaltsort ist ein Rennen gegen die Zeit. Bis Gambir eines Tages wirklich vor der verbotenen TÃ¼re steht, jener TÃ¼r, die ins Reich der Folterszenarien fÃ¼hrt. Doch so klar, wie er dachte, ist die Grenze zwischen Konsumenten und Snuff-Darstellern nicht gezogen.</p>
<p>â€žForbidden Doorâ€œ, der gerade in Rotterdam Premiere feierte, ist eine echte Entdeckung. Elegant inszeniert, unerwartet und so ganz gegen das Klischee: Das Unheimliche untergrÃ¤bt hier in eine Upperclass-Welt der pastellfarbenen Interieurs, SektempfÃ¤nge und Vernissagen. Keine alten DachbodentÃ¼ren knarren, kein langhaarigen DÃ¤monen treten auf. Nur das brackig dunkle Wasser, das unheilverkÃ¼ndend aus dem Hahn quillt, kennt man aus Nakatasâ€™ â€žDark Waterâ€œ.</p>
<p>Wie eingangs angedeutet, kopiert nicht nur Hollywood Asiens Geisterfilme in unzÃ¤hligen Remakes. Auch asiatische Filmemacher sind inspiriert von aktuellen Horrortrends wie dem â€žSawâ€œ-Zyklus. Paul Agustas â€žAnniversary Giftâ€œ (â€žKado Hari Jadiâ€œ, 2008) kombiniert Elemente des Rape Revenge-Films mit den Folterszenarien aus â€žSawâ€œ. Mit dem Unterschied, dass die Verletzungsmaschinen hier von grotesker Schlichtheit sind: Ein Mann, gefesselt an einen Stuhl, in einem stockdunklen Raum. Ein spitzer Bleistift in GesichtshÃ¶he fixiert. Zappelt der Mann beim Versuch, sich zu befreien, durchbohrt er sich selbst das Auge. Agusta, Jahrgang 1980, studierte in den USA und arbeitete nach seiner RÃ¼ckkehr in Indonesien als Filmkritiker und Festivalkurator, bevor er mit â€žAnniversary Giftâ€œ seinen ersten Low-Low-Budgetfilm realisierte. Die mit minimalen Mitteln im vollstÃ¤ndig leeren Raum inszenierten Rituale der Grausamkeit erinnern an die Aktionen eines Rudolf Schwarzkogler; es ist klar, dass Agusta den Spagat zwischen Horror und Kunstaktion versucht. In seinem Beharren auf dem voraussehbaren, stumpfen Verletzungsablauf bleibt â€žThe Anniversary Giftâ€œ dennoch mÃ¼hsame Kost.</p>
<p>Ausnahmen bestÃ¤tigen bekanntlich die Regel. Und wenn die These dieses Textes lautete, dass der asiatische Horrorfilm seine Angstszenarien mit Vorliebe in alltÃ¤glicher Kulisse entwirft, so ist Pil-Sung Yims bonbonfarbene MÃ¤rchenextravaganza â€žHensel &#038; Gretelâ€œ die schillerndste Abweichung, die man derzeit findet.<br />
Wie der Titel schon sagt, ist â€žHansel &#038; Gretelâ€œ (2007) eine filmische Variation auf das MÃ¤rchen der BrÃ¼der Grimm. Pil-Sung Yim und sein Ausstatter Ryu Seong-Hee (der auch an â€žThe Hostâ€œ mitarbeitete) kreieren dabei eine phantastische Parallelwelt, deren Bildsprache von Terry Gilliam, Jan Svankmajer, Tim Burton und Guillermo del Toro, aber auch von aktuellen Phantasy-Produktionen wie der â€žNarniaâ€œ-Trilogie geprÃ¤gt ist.<br />
Nach einem Autounfall tappt ein junger Mann mit brummendem Kopf, orientierungslos durch den Wald. In dunkler Nacht wird er von einem MÃ¤dchen mit rotem Cape und Laterne aufgelesen; ein seltsam seelig lÃ¤chelndes Kind, das ihn in ein Haus fÃ¼hrt, wo er von einer scheinbar makellos properen Familie aufgenommen wird. Doch das Paradies entpuppt sich als HÃ¶lle, in deren Zentrum Kinder Erwachsene im Ofen verheizen. â€žHansel &#038; Gretelâ€œ betÃ¶rt auch und vor allem durch seine exzentrische Ausstattung und aufwÃ¤ndige Studioarchitektur, die unter anderem einen endlosen Dachboden entwirft.</p>
<p>â€žDark Waterâ€œ, â€žNightmare Detectiveâ€œ und â€žHansel &#038; Gretelâ€œ sind bereits auf DVD erhÃ¤ltlich. Mit einer baldigen VerÃ¶ffentlichung der anderen Titel ist zu rechnen. Das Umschalten auf Regionalcode 3 lohnt sich &#8230;</p>
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		<title>Back to the Sixties : &#8220;Die ReifeprÃ¼fung&#8221; im Volkstheater</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 14:59:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gab sicher revolutionÃ¤rere Filme um 1968 als â€žThe Graduateâ€œ (aka â€žDie ReifeprÃ¼fungâ€œ). Mike Nichols TragikomÃ¶die, in der ein niedlich junger Dustin Hoffmann von einer schon etwas reiferen Anne Bancroft verfÃ¼hrt wird, ist in Form und Inhalt wenig umstÃ¼rzlerisch. Doch zumindest ist er subtil in seiner Figurenzeichnung, elegant in der Taktung der Songs von Simon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gab sicher revolutionÃ¤rere Filme um 1968 als â€žThe Graduateâ€œ (aka â€žDie ReifeprÃ¼fungâ€œ). <span id="more-443"></span>Mike Nichols TragikomÃ¶die, in der ein niedlich junger Dustin Hoffmann von einer schon etwas reiferen Anne Bancroft verfÃ¼hrt wird, ist in Form und Inhalt wenig umstÃ¼rzlerisch. Doch zumindest ist er subtil in seiner Figurenzeichnung, elegant in der Taktung der Songs von Simon &#038; Garfunkel, und er wagt Kritik an der konservativen Institution Ehe.</p>
<p>Warum nun sollte man â€žDie ReifeprÃ¼fungâ€œ 2009 neu inszenieren? Gute Frage. Das Tabu des Altersunterschieds sollte doch wohl lÃ¤ngst keins mehr sein.<br />
Regisseur Felix Prader hat das Sixties-Popdrama im Volkstheater dennoch neu aufgelegt â€“ als plumpe Boulevard-Farce. In der BÃ¼hnenfassung werden die Charaktere zu Karikaturen: Ist der junge Mann (Claudius von Stolzmann) zornig, schleudert er etwas zu Boden, freut er sich, schlÃ¤gt er einen Purzelbaum und seelisches Chaos spiegelt sich in der ZerwÃ¼hltheit der Frisur.<br />
Die Ausstattung (Werner Hutterli) hat passend eine Ã¼berdimensionale Schrankwand erdacht, hinter deren TÃ¼ren sich die nackte Geliebte (Susa Meyer) verbirgt. Zur Schadenfreude des Publikums, das mehr weiÃŸ als der betuppte Gatte.</p>
<p>Die sanfte Erotik des Originals geht dabei verloren, ja mehr noch: neue Szenen ergehen sich in zotigen, auch homophoben UntertÃ¶nen und bieten als Finale den idyllischen Ausblick auf eine neue Ehe.</p>
<p><em>(Erschienen in Falter 7/09)</em></p>
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		<title>Aufnahmen der Durchquerung &#8211; Buchbesprechung</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 14:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tina Kaiser, die Autorin des vorliegenden Bandes, liebt langsame Filme. Filme, deren Wahrnehmung im Schlenderschritt stattfindet, wie Jim Jarmuschs â€žPermanent Vacationâ€œ oder Angela Schanelecs â€žMarseilleâ€œ. 






Ihre Diplomarbeit schrieb Kaiser Ã¼ber â€žFlaneure im Filmâ€œ, und ihr neues Buch â€žAufnahmen der Durchquerungâ€œ basiert nun auf der Dissertation, die das Flanieren ein paar Schritte weiterdenkt, zum Beispiel in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tina Kaiser, die Autorin des vorliegenden Bandes, liebt langsame Filme. Filme, deren Wahrnehmung im Schlenderschritt stattfindet, wie Jim Jarmuschs â€žPermanent Vacationâ€œ oder Angela Schanelecs â€žMarseilleâ€œ. <span id="more-441"></span></p>
<table width="273" cellspacing="5" cellpadding="0" align="left" style="height: 333px">
<tr>
<td><img id="image442" alt="durchquerung.jpg" src="http://mckechneay.org/texte/wp-content/uploads/2009/02/durchquerung.jpg" /><em><br />
</em></td>
</tr>
</table>
<p>Ihre Diplomarbeit schrieb Kaiser Ã¼ber â€žFlaneure im Filmâ€œ, und ihr neues Buch â€žAufnahmen der Durchquerungâ€œ basiert nun auf der Dissertation, die das Flanieren ein paar Schritte weiterdenkt, zum Beispiel in Richtung filmischer Inszenierung.<br />
Dabei wechselt Kaiser elegant zwischen eigenen Beobachtungen im Kino oder auch im ganz realen Stadtraum und ihrer dissertations-gemÃ¤ÃŸ umfangreichen wissenschaftlichen LektÃ¼re: vorwiegend wahrnehmungsÃ¤sthetischen Schriften, Texten aus dem Umkreis der Situationisten, von Medientheoretikern wie Friedrich Kittler, Soziologen wie Richard Sennett oder aus der Feder so genannter Pop-Theoretiker wie Diederich Diederichsen oder Tom Holert.</p>
<p>Immer wieder interessieren Kaiser vordergrÃ¼ndig schlichte, fÃ¼rs Kino jedoch essentielle Fragen wie: Kann Kino ohne kÃ¶rperliche Bewegung vor der Kamera stattfinden? â€“ â€žMan sieht einen Film, ein Laufbild und es stellt sich die Frage, ob man Ã¼berhaupt noch eine Bewegung sehen mussâ€œ, schreibt Kaiser und fÃ¤hrt, bezugnehmend auf die Figur des Allie Parker aus â€žPermanent Vacationâ€œ, fort: â€žOb Parker gehen muss â€“ im performativen Sinne der Bedeutung? Oder ob Film als bewegte Bilderfolge auch mit Parkers Herumstehen auf der StraÃŸe zu seinem Recht kommt? Ob der Film folglich genau wie die Warholschen Standbildfilme funktionieren kÃ¶nnte?â€œ</p>
<p>Kaisers Argumentation legt dabei nahe, dass Weniger im Kino mehr sein kann: weniger Tempo, vor allem auch weniger Plot: â€žDie gÃ¤ngige Filmrezeption konzentriert sich noch allzu sehr auf Narration und Handlungsmuster. Die Fahrtaufnahmen gelten in dieser Sichtweise lediglich als verzÃ¶gernde Filmmomente, die das eigentliche Geschehen temporÃ¤r aufhalten, bevor sich die Story weiter fortsetzen kann. Dabei lÃ¤sst sich zeigen, dass gerade in diesen Momenten suspendierter Handlung das spezifisch Filmische am Bild zu seinem Recht kommt.â€œ</p>
<p>Am schÃ¶nsten ist Kaisers Buch in jenen Passagen, die auf Konkretes, auf Filmszenen oder Alltagsbeobachtungen Bezug nehmen. Etwas sprÃ¶de fÃ¤llt dagegen der theoretische Teil aus, der die Grundlagen zur transitorischen Bewegung im (urbanen) Raum mit dissertationsgerechter GrÃ¼ndlichkeit aufarbeitet. Mag sein, dass die LektÃ¼re einiger Kapitel lÃ¤nger dauert als der Rest. Aber wahrscheinlich ist Geschwindigkeit sowieso keine Kategorie: â€žRacecar spelled backwards means racecarâ€œ, ist laut Kaiser die Quintessenz des Bandes.</p>
<p><em>Aufnahmen der Durchquerung<br />
Das Transitorische im Film<br />
Tina Hedwig Kaiser<br />
2008, 230 S., kart., zahlr. Abb., 27,80 â‚¬<br />
ISBN 978-3-89942-931-2</em></p>
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		<title>Die Welt als B-Movie</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2009 15:04:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_andere formate]]></category>
		<category><![CDATA[_interview]]></category>
		<category><![CDATA[_zÃ¤hler]]></category>

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		<description><![CDATA[David Fincher spielte sie in seinem finsteren Paranoia-Thriller â€žThe Gameâ€œ bereits durch: die Vision eines Virtual-Reality-Spiels, das sich perfekt in den Alltag des Spielers einschmiegt. So perfekt dringt â€žThe Gameâ€œ in die intimsten Nischen von Michael Douglasâ€™ Leben vor, dass diese bald dem Wahnsinn nahe ist, und nur zurÃ¼ck will auf den sicheren Boden der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>David Fincher spielte sie in seinem finsteren Paranoia-Thriller â€žThe Gameâ€œ bereits durch: die Vision eines Virtual-Reality-Spiels, das sich perfekt in den Alltag des Spielers einschmiegt. <span id="more-444"></span>So perfekt dringt â€žThe Gameâ€œ in die intimsten Nischen von Michael Douglasâ€™ Leben vor, dass diese bald dem Wahnsinn nahe ist, und nur zurÃ¼ck will auf den sicheren Boden der RealitÃ¤t. Ã„hnlich geht es Jude Law in David Cronenbergs mindestens ebenso spannender Zunkunftsphantasie â€žeXistenZâ€œ: einmal an den sogenannten Game-Pod angeschlossen, verliert er bald den Ãœberblick Ã¼ber das jeweilige Level der (Ir)realitÃ¤t.<br />
HÃ¶rt man den Seize the Media-GrÃ¼nder und selbernannten Transmedia-Guru Lance Weiler reden, glaubt man sich technisch bereits angekommen in Finchers und Cronenbergs Welt. Mit dem Unterschied, dass Weiler in den leuchtendsten Farben von seinem, mÃ¶glichst viele Lebensbereiche berÃ¼hrenden Multimedia-Alternative Reality-Konzept spricht.<br />
Dennoch ist es wohl kein Zufall, dass die Inhalte, die Weiler Ã¼ber sein Transmedia-Konzept transportiert, durchwegs unheimlicher Natur sind: Eine Vampirgeschichte (â€žThe Last Broadcastâ€œ, 1998) oder eine Spukhausstory (â€žHead Traumaâ€œ, 2006) und, in seinem neuen Projekt, â€žHIMâ€œ ein Zombie-Horrorplot.</p>
<p>In der Geschichte des renommierten Kino-Koproduktionsmarktes CineMart, der seit 26 Jahren im Rahmen des Internationalen Filmfestival Rotterdam stattfindet, war â€žHIMâ€œ das erste Crossmedia-/Transmedia-Projekt, das ausgewÃ¤hlt wurde. Und nicht nur das: von den 36 vorgestellten Filmvorhaben, erhielt â€žHIMâ€œ am Ende des Festivals den mit 10.000 Euro dotierten Arte France CinÃ©ma Award fÃ¼r das viel versprechendste Projekt.</p>
<p>Seize the Media</p>
<blockquote><p>Seize the Media (STM, wÃ¶rtlich: Erobere die Medien!) hat sich als Multi-Media-Produzent dem Gebiet der TransmedialitÃ¤t verschrieben. Als â€žTransmediaâ€œ-Formate versteht STM-GrÃ¼nder Weiler â€žeinen Weg, Geschichten zu erzÃ¤hlen, indem man verschiedene Publikumsgruppen durch eine Kombination von traditionellen Story-Outlets und New-Media-Anwendungen sozial vernetzt.â€œ<br />
STM, dem neben Weiler selbst David Beard als â€žtechnical architectâ€œ und Tommy Pallotta als Produktionsexperte vorstehen, engagiert sich als Produzent und Ko-Produzent eigener Projekte (wie â€žHead Traumaâ€œ), hat seine Technik- und Kreativleistungen in der Vergangenheit aber auch in den Dienst groÃŸer Firmen gestellt, darunter eBay, Ubisoft, CAA oder Droga 5. Gemeinsam mit der legendÃ¤ren britischen Hammer-Film entwickelte STM die â€žBeyond the Raveâ€œ-experience auf myspace.</p>
<p>http://seizethemedia.com/</p>
<p>http://www.myspace.com/beyondtherave</p></blockquote>
<p>â€žHIMâ€œ</p>
<blockquote><p>â€žHIMâ€œ ist der Arbeitstitel des aktuellen Transmedia-Projekts von Lance Weiler und Seize the Media. In Fortsetzung der von Weiler so genannten Horror 2.0-Serie (â€žThe Last Broadcastâ€œ, â€žHead Traumaâ€œ) kombiniert die Handlung Genreelemente der Science Fiction, des Paranoiathrillers und des Teen-Horror-Films; transportiert wird sie Ã¼ber diverse technische Plattformen: Mobiltelefone, online und offline ARGs (Alternative Reality Games), aber auch durch einen klassischen Kinofilm. Das Publikum von â€žHIMâ€œ, so Weilers Zielsetzung, soll sich nicht als Zuseher oder Konsumenten, sondern als Teil der Handlung begreifen.</p></blockquote>
<p>â€žHead Traumaâ€œ</p>
<blockquote><p>Lance Weilers VorgÃ¤ngerprojekt, â€žHead Traumaâ€œ (2006), ist ein sympathisches Horror-B-Movie um ein halbverfallenes, unheimliches Haus. Produziert ohne Ã¶ffentliche FÃ¶rderung, mit einem Gesamtbudget von 126.000 Dollar, hat Weiler bisher Ã¼ber 45.000 DVDs verkauft. Noch bevor der â€žHead Traumaâ€œ-Dreh begann, gab es die Geschichte bereits als animierte Graphic Novel im Internet. â€žIch habe kein Google-Bombing betriebenâ€œ, sagt Weiler, â€žaber so geschickt verlinkt, dass mein Projekt unter dem Stichwort â€žHead Traumaâ€œ bald das Top-Ergebnis der Suchmaschinen war.â€œ<br />
Nach Fertigstellung des Films lieÃŸ Weiler einen alternativen Soundtrack komponieren, den man unter dem Titel â€žCursedâ€œ separat downloaden und mit einem Synchronstart parallel zum Film abspielen kann, wenn man den Originalsound abdreht.<br />
Bei einer VorfÃ¼hrung im Museum of Moving Image / New York, lieÃŸ Weiler das Publikum Ã¼ber mobile Textmessages an der Handlung partizipieren, fing dabei die eingehenden Nummern auf, sodass â€žder Film dem Publikum nach Hause folgen konnteâ€œ. Durch spÃ¤tere, autogenerierte Anrufe und Textnachrichten hielt das Projekt Kontakt mit seinem Klientel.</p>
<p>http://www.headtraumamovie.com/</p></blockquote>
<p><strong>****************************************************************************************</strong></p>
<blockquote><p>Herr Weiler, seit 26 Jahren ist der Rotterdamer CineMart ein Koproduktionsmarkt fÃ¼r Kinofilme. Ihr Paranoia-Thriller â€žHIMâ€œ ist das erste Crossmedia-/Transmedia-Projekt, das ausgewÃ¤hlt wurde. War es schwierig, die Jury zu Ã¼berzeugen?</p></blockquote>
<p>Ãœberhaupt nicht. Der CineMart will sich auch weiter entwickeln. Und man spÃ¼rt, dass mein Projekt in die Richtung zukÃ¼nftiger Kinoentwicklungen weist. Es dient hier wohl auch als eine Art Versuchsballon, um abzutesten, wie die Industrie darauf reagiert.</p>
<blockquote><p>Wie wird Ihr Projekt funktionieren?</p></blockquote>
<p>â€žHIMâ€œ ist eine Kreuzung aus Film, Game und einer Mischung von Technologie und Design. Der Film steht dabei immer noch im Zentrum, aber rund herum schaffe ich ein ganzes Projektuniversum.<br />
Meine AusgangsÃ¼berlegung war: Wie kann ich eine Geschichte Ã¼ber mehrere Screens und verschiedene technische GerÃ¤te transportieren? Und wie kann ich dem Publikum dabei unterschiedliche Ein- und Ausstiegspunkte anbieten?<br />
Neben dem Kinofilm finden andere Storyelemente auf der Spielkonsole im eigenen Wohnzimmer statt. Es gibt Storyteile, die Ã¼ber das Mobiltelefon kommuniziert werden und online-Elemente.</p>
<blockquote><p>Wenn der Zugang zu solchen GerÃ¤ten Voraussetzung fÃ¼r den Konsum von â€žHIMâ€œ ist, grenzt das ihre Zielgruppe nicht zu stark ein?</p></blockquote>
<p>Ãœberhaupt nicht. Mit meiner Firma Seize the Media haben wir gezielt mehrere Ebenen der InteraktivitÃ¤t angelegt, damit jeder auf seine Weise teilnehmen kann. Diese vier Ebenen funktionieren nebeneinander, aber vor allem unabhÃ¤ngig voneinander.<br />
Es gibt eine Serie von 15 Online-Episoden, jede zweieinhalb bis vier Minuten lang. Dann eine Serie von Mikro-ErzÃ¤hlungen, jede um die zwei Minuten lang, die man Ã¼ber das Mobiltelefon empfÃ¤ngt. Es gibt den Hauptfilm natÃ¼rlich, im Kino. Und unterfÃ¼ttert wird das Ganze vom Verlauf des Spiels. Das Spiel hat Ã¼brigens schon begonnen, obwohl wir noch nicht mal angefangen haben zu drehen.</p>
<blockquote><p>Sie meinen: im Internet?</p></blockquote>
<p>Ja. Ich meine, im Internet und im Alltag. FÃ¼r diese Art Spiel muss man die Saat weit im Voraus legen. Wenn die Leute verschiedene Dinge spÃ¤ter entdecken, werden sie ihnen bereits vertraut sein.</p>
<blockquote><p>Das heiÃŸt, die Elemente, die jetzt schon zugÃ¤nglich sind, Ã¼bernehmen die Funktion des klassischen Kinotrailers oder Teasers und wecken die Neugierde des Publikums?</p></blockquote>
<p>Wenn Sie so wollen, ja. Man stellt automatisch mehr digitale Aktivposten (digital assets) her, das hilft bei der Reklame. Die Erfahrung mit frÃ¼heren Projekten hat uns gezeigt, dass die Leute mit solchen Online-Auftritten durchschnittlich acht bis zehn Stunden verbringen.</p>
<blockquote><p>Worin liegt der Reiz ihrer Online-Projekte?</p></blockquote>
<p>Die Leute wollen sozial sein. Sie brauchen GrÃ¼nde, um miteinander in Kontakt zu treten, ob online oder in der wirklichen Welt. Wir liefern ihnen soziales Entertainment. Im Unterschied zu Social Networks wie facebook geben wir ihnen mit unserer Story eine echte GesprÃ¤chsbasis, ein gemeinsames Referenzsystem.</p>
<blockquote><p>Wer wird sich am interaktiven Part von â€žHIMâ€œ beteiligen?</p></blockquote>
<p>Viele Leute glauben: Gaming ist fÃ¼r 18-25 Jahre alte, mÃ¤nliche Jugendliche. Bei uns spielen aber Frauen mit, MÃ¼tter von drei Kindern &#8230;</p>
<blockquote><p>Woher wissen Sie das? Muss man sich bei Ihnen mit richtigem Namen einloggen?</p></blockquote>
<p>Man kann, muss aber nicht. Trotzdem haben wir unsere Statistiken  &#8230; die Leute schaffen sich ihre eigenen Charaktere in der Spielwelt. Und ich glaube kaum, dass ein junger Mann sich dabei als Mutter von drei Kindern ausgibt &#8230; Ich glaube, dass unsere Geschichte geeignet ist, um unterschiedliche BevÃ¶lkerungsschichten anzusprechen und im Spiel zusammenzubringen.</p>
<blockquote><p>Im Fall von â€žHIMâ€œ scheinen klassische Berufsbezeichnungen wie â€žRegisseurâ€œ oder â€žDrehbuchautorâ€œ zu versagen. Wie wÃ¼rden Sie selbst ihre eigene Rolle bezeichnen?</p></blockquote>
<p>Produzent und creative mind. Bei diesem Projekt hat sich mein Schaffensprozess klar verÃ¤ndert: FrÃ¼her habe ich mich hingesetzt und ein Drehbuch geschrieben. Man kennt die Struktur, weiÃŸ wie die Figuren ticken und wohin die Handlung fÃ¼hrt. Bei â€žHIMâ€œ ist alles anders. FÃ¼r dieses spezielle Projekt habe ich eine â€žgame bibleâ€œ zum Ausgangspunkt genommen.<br />
Das bedeutet: Ich habe eine Welt mit Figuren und Regeln entworfen und mich dabei gefragt, wie ihre Interaktion ablaufen wird. Dann habe ich die Online-Serie und die Mikro-ErzÃ¤hlungen fÃ¼r die Mobiltelefone geschrieben.  Und erst dann, als die ganze Welt schon entworfen war, das Filmdrehbuch geschrieben. Jeder dieser ErzÃ¤hlstrÃ¤nge steht fÃ¼r sich, da sie nichtlinear verlaufen. Man kann Ã¼berall und jederzeit einsteigen, was den Leuten wiederum eine Vielzahl an MÃ¶glichkeiten bietet, Zugang zu â€žHIMâ€œ zu finden.</p>
<blockquote><p>Ãœber die Story haben wir bisher nur im Abstrakten gesprochen. Worum geht es eigentlich in â€žHIMâ€œ?</p></blockquote>
<p>â€žHIMâ€œ ist eine schwarze, apokalyptische ErzÃ¤hlung. Sie Ã¤hnelt ein wenig (William Goldings) â€žDer Herr der Fliegenâ€œ, in dem Sinn, dass wir die Ereignisse aus der Sicht einer Teenager-Gruppe erleben. In der Kleinstadt, in der sie leben, entwickeln die Erwachsenen nachts plÃ¶tzlich seltsame Verhaltensweisen.  Das ist anfangs noch amÃ¼sant. Sie schlafwandeln und richten dabei allen mÃ¶glichen Schaden an, wenn sie zum Beispiel versuchen, mit Auto zu fahren. Aber allmÃ¤hlich wird klar, dass die Nachtwandler einer Gruppendynamik folgen. Was einer vormacht, ahmen alle anderen nach.<br />
Und am nÃ¤chsten Tag haben die Erwachsenen keine Erinnerung mehr an das, was sie in der Nacht angestellt haben, und schieben den Sachschaden den Jugendlichen in die Schuhe. Die Lage spitzt sich zu. Und schlieÃŸlich mutieren die Erwachsenen. Sie entwickeln die Symptome einer fÃ¼rchterlichen Grippe, scheinen in Schleim zu ersticken &#8230; bis sie beginnen zu â€žpulsierenâ€œ. Sie senden elektromagnetische Impulse aus, stark genug, um jemanden damit zu betÃ¤uben. Jeder Ã¼ber 21 mutiert auf diese Weise, so dass sich die BevÃ¶lkerung aufteilt: Ein Viertel Jugendlicher sieht sich auf einmal einer Mehrheit der mutierten Erwachsenen gegenÃ¼ber.<br />
Die Grundthemen sind: Was bedeutet Erwachsen-Werden? Was hinterlassen die Erwachsenen ihren Kindern? Die Geschichte hat Science-Fiction- und Horror-Elemente. Und es gibt eine psychologische Dimension: Was passiert, wenn man die Jugend sich selbst Ã¼berlÃ¤sst? Wie wÃ¼rde sie die Welt gestalten? WÃ¼rde sie sich tatsÃ¤chlich so sehr von unserer jetzigen unterscheiden?</p>
<blockquote><p>Sie sprechen von einer Kleinstadt. Die Geschichte hat also ein regional definiertes Setting und findet in einer bestimmten Sprache statt. Wie lÃ¤sst sich das mit der Idee einer globalen, interaktiven Vermarktbarkeit vereinbaren?</p></blockquote>
<p>Es geht um den Ausbruch einer Epedemie, darum findet die Story sowieso parallel an verschiedenen Orten statt. NatÃ¼rlich, sie beginnt in einer kleinen Gemeinde. Von dort breitet sie sich aber aus. Das ist auch ein Grund, warum ich auf dem CineMart auf der Suche nach internationalen Partnern bin: Ich mÃ¶chte mit der Idee experimentieren, wie eine Geschichte an mehreren Orten stattfinden kann.<br />
Ich stelle mir das Ganze ein bisschen vor wie eines dieser TV-Formate, die man an unterschiedliche Territorien lizensiert, die das Format mit Lokalkolorit versehen und es sich so aneignen.<br />
Ich wÃ¼rde meine Story gern an verschiedenen Orten â€žabsetzenâ€œ und sehen, wie sie sich dort weiter entwickelt.</p>
<blockquote><p>Sie haben von den vielen ZugangsmÃ¶glichkeiten zu â€žHIMâ€œ gesprochen. Wie genau findet das Projekt sein Zielpublikum?</p></blockquote>
<p>Wir kÃ¶nnten zum Beispiel Nachrichten in der Ã–ffentlichkeit hinterlassen. Ausgefallene Symbole oder Phrasen, die im GedÃ¤chtnis hÃ¤ngen bleiben. Man fragt sich, was sie bedeuten, wird neugierig.<br />
Vielleicht werden nach einem Zufallssystem USB-Sticks im Ã¶ffentlichen Raum liegen gelassen. Wer sie findet und ansteckt, findet darauf eine ganze Spielumgebung. Andere Menschen stoÃŸen durch die Presse auf uns oder durch Mundpropaganda. All diese Dinge zusammen genommen kosten weitaus weniger als  die klassische PR-Maschine fÃ¼r einen groÃŸen Kinofilm.</p>
<p><em>(Erscheint online in der orf futurezone)</em></p>
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		<title>CineMart goes InteraktivitÃ¤t</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 13:15:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mckechneay</dc:creator>
				<category><![CDATA[_festivalbericht]]></category>
		<category><![CDATA[_zÃ¤hler]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Wettbewerbspreisen an den Iran, Korea und die TÃ¼rkei ging das Filmfestival Rotterdam zu Ende. Auf dem CineMart sorgte Lance Weilers interaktives Filmprojekt â€žHimâ€œ fÃ¼r Aufsehen.
Mit der im Vergleich zum Vorjahr leicht zurÃ¼ck gegangenen Besucherzahl von 341.000 (2008: 355.000) ging am 1. Februar das 38. Internationale Filmfestival Rotterdam zu Ende. Rutger Wolfson, der nach einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit Wettbewerbspreisen an den Iran, Korea und die TÃ¼rkei ging das Filmfestival Rotterdam zu Ende. Auf dem CineMart sorgte Lance Weilers interaktives Filmprojekt â€žHimâ€œ fÃ¼r Aufsehen.</strong><span id="more-431"></span></p>
<p>Mit der im Vergleich zum Vorjahr leicht zurÃ¼ck gegangenen Besucherzahl von 341.000 (2008: 355.000) ging am 1. Februar das 38. Internationale Filmfestival Rotterdam zu Ende. Rutger Wolfson, der nach einer Interimsbestellung im Vorjahr heuer erstmals als Vollzeit-Direktor mit Vierjahresvertrag agierte, zeigte sich dennoch zufrieden. TatsÃ¤chlich funktionierte sein Konzept der Zusammenfassung unterschiedlicher Genres gut: Statt wie bisher neun Programmschienen gab es beim diesjÃ¤hrigen IFFR nur noch drei: Bright Future (fÃ¼r Newcomer), Spectrum (fÃ¼r die Arbeiten bereits etablierter Filmemacher) und Signals (fÃ¼r Themenreihen). Innerhalb dieser Schienen waren Kurzfilme ebenso wie lange Arbeiten und Installationen in Museen und im Ã¶ffentlichen Raum zu sehen. Auf jeden Fall machte es die neue Aufteilung leichter, sich im ziegeldicken Katalog zurechtzufinden.</p>
<p>Nach wie vor erfreut sich das IFFR gleichermaÃŸen des Zuspruchs internationaler Fachbesucher (heuer 2.128) wie auch des heimischen Publikums: Dessen Favoriten spiegelten sich im Ergebnis des Zuschauer-Votings. Neben Danny Boyles â€žSlumdog Millionaireâ€œ, der auch den Preis der Jugendjury erhielt, lag die neuseelÃ¤ndisch-deutsche Koproduktion â€žThe Strength of Waterâ€œ (Regie: Armagan Ballantyne, CineMart 2002) ganz vorne. Beim Tiger-Wettbewerb, in dem heuer 14 Filme junger Regisseure antraten, ging â€žThe Strength of Waterâ€œ allerdings leer aus: Allzu sehr verlÃ¤sst sich die junge Regisseurin auf landschaftliche Schauwerte und die arthaus-stereotype Inszenierung eines rÃ¼hrseligen Plots.</p>
<table width="253" cellspacing="5" cellpadding="0" align="left" style="height: 166px">
<tr>
<td><img alt="tiger winners 09" id="image432" src="http://mckechneay.org/texte/wp-content/uploads/2009/02/tigerwinners.jpg" /><em><br />
</em></td>
</tr>
</table>
<p>Die mit jeweils 15.000 Euro dotierten VPRO-Tiger-Awards gingen an Filme aus dem Iran, aus SÃ¼d Korea und der TÃ¼rkei: â€žBe Calm and Count to Sevenâ€œ (â€žAram bash va ta haft beshmarâ€œ) von Ramtin Lavafipour, â€žBreathlessâ€œ (â€žDdongpariâ€œ) by Yang Ik-June und â€žWrong Rosaryâ€œ (â€žUzak Ihtimalâ€œ) von Mahmut Fazil Coskun.<br />
WÃ¤hrend sich das iranische Schmugglerdrama  in seiner poetischen Bildsprache an die Altmeister des iranischen Kinos, Kiarostami und Makhmalbaf, anlehnt, gehÃ¶rt â€žBreathlessâ€œ zwar dem in Korea beliebten Genre des Gangsterfilms an, spielt dieses jedoch auf ungewÃ¶hnlich direkte und gewalttÃ¤tige Art durch. Erst als sich die Hauptfigur, ein vom Regisseur selbst gespielter Geldeintreiber, verliebt, wagt sie den Ausbruch aus dem Kreis der Gewalt. Und geht dabei spektakulÃ¤r zu Grunde. Nicht weniger fatalistisch: Der tÃ¼rkische Siegerfilm, â€žWrong Rosaryâ€œ, der in dialogarmen Szenen von der unmÃ¶glichen Liebe eines Imams zu einer katholischen Nonne erzÃ¤hlt.</p>
<p>Den FIPRESCI-Preis der Filmkritik erhielt das farbenfrohe LangfilmdebÃ¼t des indonesischen Regisseurs Edwin, â€žBlind Pig wants to Flyâ€œ (â€žBabi buta yang ingin terbangâ€œ), ein CineMart-Projekt aus dem Jahr 2008.</p>
<p>Von den 36 heuer vorgestellten CineMart-Projekten erfuhr vor allem das Cross-Media-Projekt â€žHimâ€œ des Regisseurs und Produzenten Lance Weiler (Ceise the Media, US) groÃŸe mediale Aufmerksamkeit und wurde mit dem Arte France CinÃ©ma Award (10.000 Euro) ausgezeichnet. Weilers Konzept sieht vor, die Handlung eines Paranoiathrillers vom Kinosaal auf ein Online-Spiel und Handy-Applikationen auszudehnen, wobei die User den Verlauf mitsteuern kÃ¶nnen. Fast scheint es, als sei David Finchers â€žThe Gameâ€œ in der RealitÃ¤t angekommen.</p>
<p>Der bereits lÃ¤nger angekÃ¼ndigte IFFR-Ortswechsel in ein neues Mehrsaalzentrum in HafennÃ¤he ist aufgrund der angespannten Wirtschaftslage vorerst ausgesetzt. Zumindest die kommende Ausgabe, so Wolfson, werde vom 27. Januar bis 7. Februar 2010 noch in den angestammten Locations in der Rotterdamer Innenstadt stattfinden.</p>
<p>(Artikel erschienen in Blickpunkt:Film)</p>
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